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  • Stark verfremdetes Porträtfoto eines Mannes
17.04.2012

Für eine neue Bewerbungskultur

Anonymisierung fördert Chancengleichheit

Eine bundesweite Studie belegt, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren Diskriminierung bei der Stellenvergabe verhindern. Vor allem das Verschweigen des Geschlechts und der Herkunft zahlt sich aus.

Nayla Aydin ist ausgebildete Einzelhandelskauffrau und hat schon einige Bewerbungen hinter sich. „Manchmal frage ich mich schon, warum es trotz gutem Abschlusszeugnis nicht mal zum Vorstellungsgespräch kam – spätestens da wäre ihnen ja mein prächtiges und akzentfreies Deutsch aufgefallen“, scherzt die Berlinerin mit türkisch klingendem Namen. Über das Ergebnis der gestern veröffentlichten Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wundert sie sich daher nicht.

Anonymisierte Bewerbungen gegen Diskriminierung
Denn diese belegt: Anonymisierte Bewerbungsverfahren bieten mehr Chancengleicht für alle, denn die Qualifikationen rücken stärker in den Vordergrund. In der bundesweiten Pilotstudie beteiligten sich fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber und vergaben für zwei Monate ihre Jobs nach einem anonymisierten Bewerbungsverfahren. Konkret hieß dies, auf Angaben zu Geschlecht, des Alters oder der Herkunft durch den Namen zu verzichten. Auch das klassische Bewerbungsbild fiel weg. Der Bewerber oder die Bewerberin sollte allein nach den Qualifikationen beurteilt werden – sogar auf den Nachweis von Zeugnissen wurde verzichtet. Die Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen besetzten so 246 Stellen aus insgesamt 8.550 Bewerbungen.

Kinderwunsch ade
Einen besonderen Vorteil hat das anonymisierte Verfahren vor allem für junge Frauen. Trotz sehr guter Qualifikationen und Berufserfahrungen scheitern sie oft , da ihnen bei der Auswahl oft ein baldiger Kinderwunsch unterstellt wird. Auch Menschen anderer Nationalität, mit einem ausländisch klingenden Namen oder Aussehen würden profitieren. Die Studie zeigt, dass auch ihre Chancen durch die Anonymisierung steigen. „Wir von der ver.di Jugend wünschen uns schon lange Bewerbungspraktiken, die weniger diskriminierend wirken. Ländern wie die USA sind da ein gutes Beispiel. Deren Standard muss auch hier endlich Einzug erhalten“, so Bundesjugendsekretär Ringo Bischoff zu den Ergebnissen der Studie.

Der AHA-Effekt
Auch Nayla wünscht sich das und freut sich daher besonders über ein weiteres Ergebnis der Studie: Nicht nur Bewerber/-innen gefiel das anonyme Verfahren. Auch viele Personalverantwortliche der Studie waren positiv überrascht und berichteten über ein Umdenken ihrer bisherigen Rekrutierungspraxis. Na, dann mal los!