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  • Frau mit Bauhelm am Steuer eines Baggers
12.09.2012

DGB-Ausbildungsreport 2012

Schlechtere Bedingungen in weiblich dominierten Berufen

Auffällige, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausbildung und schlechtere Karten für Frauen – zu diesem Ergebnis kommt auch der neueste Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Benachteiligungen für junge Frauen im Bereich der Vergütung und Ausbildungsqualität bleiben an der Tagesordnung.

Viele Männer wollen Metallbauer werden und eine Menge Frauen am liebsten Friseurin. Ist das schlimm? Eigentlich nicht. Leider führen aber männlich bzw. weiblich dominierte Berufsbilder im Ausbildungssektor in vielfacher Hinsicht zur Benachteiligung junger Frauen. Dieses Fazit ergibt sich aus dem aktuellsten DGB-Ausbildungsreport, der jährlich Daten zur Ausbildungssituation in Deutschland erhebt.

Schlechtere Vergütung
Zunächst zum „lieben Geld“: Frauen müssen in ihren bevorzugten Berufsausbildungen häufig mit einer niedrigeren Vergütung leben. Während männliche Auszubildende im Durchschnitt und Monat zwischen 721 Euro (West) und 658 Euro (Ost) verdienen, bekommen Frauen während ihrer Ausbildung durchschnittlich nur 688 Euro (West) und 614 Euro (Ost).

Mehr Überstunden, weniger Freizeitausgleich
In typischen „Frauenberufen“ leisten Auszubildende verglichen zum Vorjahr nur noch etwas mehr Überstunden als ihre Azubi-Kolleg_innen in männlich dominierten Ausbildungen. Deutliche Unterschiede bestehen allerdings beim Überstundenausgleich: In eher „männlichen“ Berufsgruppen erhalten 75 Prozent einen Freizeitausgleich oder eine entsprechende Vergütung, in vorwiegend weiblich besetzten Ausbildungsberufen sind das nur 60 Prozent.

Weniger Urlaub und Erholung
Auch bei der Anzahl ihrer Urlaubstage geraten weibliche Auszubildende aufgrund ihrer Berufswahl offenbar ins Hintertreffen: Auszubildende in typischen „Männerberufen“ haben durchschnittlich zwei Urlaubstage mehr.
Infolgedessen verwundert es wenig, dass Auszubildende in weiblich geprägten Berufen nach der Arbeit auch schwerer „abschalten“ und sich in ihrer Freizeit weniger erholen, so ein weiteres Fazit des Ausbildungsreports.

Gesamtzufriedenheit niedriger
Weniger Vergütung bei mehr Überstunden und mangelnder Freizeit – das senkt natürlich die Gesamtzufriedenheit in der Ausbildung. Mit 75,2 Prozent „zufriedenen“ und „sehr zufriedenen“ Auszubildenden liegen die männlich dominierten Berufsbilder erneut deutlich vorn – in tendenziell weiblichen Ausbildungsberufen kommen nur 66,6 Prozent zu diesem Urteil.

Sind Frauen selbst schuld?
Nein – denn die anhaltenden Nachteile gelten nicht per se für weibliche Auszubildende. Vielmehr bestehen große Qualitätsunterschiede zwischen unterschiedlichen Branchen und Ausbildungsberufen. Es sind also auch Männer in weiblich geprägten Ausbildungen betroffen. Würden sich Frauen ebenso gerne für andere Berufe entscheiden, wäre die Benachteiligung geringer.

Berufswahl junger Frauen erweitern
„Für eine geschlechtergerechte Gesellschaft müssen wir diese Ungleichheiten abbauen“, äußerte sich Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär, zu den Ergebnissen der Studie. „Wir müssen Mädchen und jungen Frauen die Vielfalt des Ausbildungssektors näherbringen. So können sie auch Interesse für Berufe entwickeln, in denen günstigere Rahmenbedingungen und Perspektiven herrschen, als in klassischen Frauenberufen.“

Ebenso wesentlich, so Ringo Bischoff, sind attraktivere und verbesserte Ausbildungsbedingungen in weiblich dominierten Berufen – insbesondere in der Gesundheit, Erziehung und sozialen Arbeit. Nur durch gerechte Bezahlung und reduzierte Arbeits- und Urlaubszeiten werden die Leistungen der Auszubildenden angemessen honoriert und gesellschaftlich anerkannt.