Diskriminierungsformen

„Hauptschüler sind dumm“, „Frauen haben keine Ahnung von Technik“. Solche Vorurteile grenzen Menschen wegen bestimmter Merkmale aus. Diese erscheinen häufig als „naturgegeben“ - und somit unumstößlich. Denn sie verschleiern, dass Ein- und Ausgrenzung soziale Prozesse sind. Sie regulieren den Zugang zu Macht oder Ressourcen. Vorurteile und die Ideologien hinter ihnen rechtfertigen und stärken bestehende Dominanzverhältnisse. Zum Vorteil der_des Dominierenden.

Solche Ideologien und Verhaltensweisen stehen im Widerspruch zur Verfassung. Dort heißt es, niemand darf wegen äußerer Merkmale benachteiligt oder bevorzugt werden. Wir nennen verbreitete Diskriminierungsformen beim Namen. Von A-Z. Um gegen sie vorzugehen.

  • Ableism

    von engl. to be able to: fähig sein, imstande sein
    bezeichnet das Abwerten eines Menschen wegen (nicht) vorhandener Fähigkeiten. Eng gefasst meint der Begriff die Diskriminierung aufgrund von Behinderung. Aufgrund eines »abweichenden« Körperbaus und/oder geistigen Möglichkeiten. Gemessen wird dabei an einem, in der Realität nicht vorhandenen, »perfektem« Körper und »umfassender geistiger« Flexibilität und Leistungsfähigkeit. Behinderten Menschen werden häufig »Mängel« unterstellt. Das zieht oft einen abschätzigen Umgang mit ihnen nach sich, der eigene Überlegenheit sicherstellen soll.

  • Alltagsrassismus

    meint die Übernahme von rassistischen Denkmustern und Verhaltensweisen in alltägliche Situationen. In der Schule, im Beruf und auf der Straße. Hinter rassistischen Handlungen und Denkweisen liegen Machtstrukturen. Diese verfestigen sich in einem schleichenden „Normalisierungsprozess“. Rassismus, ob in Form von Witzen, Beleidigungen oder auch handfesten Ausschlussmechanismen wird dann nicht mehr hinterfragt. Gesellschaftlich dominierende Gruppen betrachten Rassismus häufig unbewusst dabei als „normales“ und allgemein gebräuchliches Verhaltensmuster. 

  • Altersdiskriminierung

    Wird eine ältere Arbeitnehmerin in den Vorruhestand gedrängt, handelt es sich um einen Fall von Altersdiskriminierung. Die Betroffenen werden aufgrund ihres Lebensalters von bestimmten Bereichen des Arbeits- oder gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen. Richten kann sich diese Form der Ausgrenzung im Prinzip gegen jede Altersgruppe. Beispielsweise, wenn bestimmte „Jahrgänge“ bevorzugt werden, indem bei Stellenausschreibungen nur Berufsanfänger/-innen gesucht werden.

  • Antiamerikanismus

    ist Teil einer verkürzten Kapitalismuskritik. Dabei wird die USA als besonders kapitalistisch und imperialistisch dargestellt. Die USA haben dieser Ideologie zufolge keine Kultur und ordnen menschliche Werte dem Kapital unter. Was eine Konsequenz aus der Funktionsweise des Kapitalismus ist, wird hier in einer Nation personifiziert. 

  • Antimuslimischer Rassismus

    meint die feindliche und rassistische Haltung gegenüber der Gruppe der Muslime/-innen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit zum Islam. Viele Menschen verbinden diesen mit Gewalt, Terrorismus und Rückständigkeit. Muslime/-innen gelten in Deutschland häufig als ausländisch. Obwohl die Religionszugehörigkeit nicht über die Staatsangerhörigkeit eines Menschen aussagt. Die »gefühlte Bedrohung« (Islamophobie) von »zu vielen Muslimen« und »zu viel Islam« hat zudem mit messbarer Gefahr wenig zu tun. Es gibt viele Regionen, in denen Muslime/-innen weniger als 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Und: Nicht alle muslimischen Frauen tragen Kopftuch. Und wenn sie es tragen bedeutet das nicht automatisch, dass sie unterdrückt werden. Häufig versteckt sich antimuslimischer Rassismus unter dem Deckmantel der Islamkritik. Diesen darf man natürlich kritisieren. Aber eine berechtigte Kritik basiert auf Information und nicht auf Vorurteilen. 

  • Antisemitismus

    bezeichnet eine bestimmte Wahrnehmung von Juden und dem Judentum, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrückt. Stärker als der Rassismus zielt der Antisemitismus nicht nur auf die Diskriminierung, sondern auch auf die Vernichtung. Juden und Jüdinnen wird bei dieser Wahrnehmung trotz ihrer Verschiedenheit ein gemeinsames Interesse unterstellt. Wegen ihrer angeblich großen Macht in der Wirtschafts- und Finanzwelt schiebt man ihnen die Verantwortung für die Ungerechtigkeiten des Kapitalismus zu. Abstrakte Zusammenhänge werden so im Judentum personifiziert. Antisemitismus ist deshalb auch ohne Juden möglich.

  • Antiziganismus

    von tsigane: Zigeuner
    Der Begriff verbreitet sich verstärkt, um Feindschaft gegen Sinti und Roma und andere, früher »Zigeuner« genannte, Gruppen zu bezeichnen. Die feindliche Haltung kann von Vorbehalten über offene Ablehnung, Ausgrenzung und Vertreibung bis hin zu Tötung und massenhafter Vernichtung reichen. Sie zeigt sich in der Dämonisierung ebenso wie in der Verklärung des lustigen »Zigeunerlebens«. Der deutsche Begriff »Zigeuner« ist eine Fremdbezeichnung und wird von den meisten so Bezeichneten als diskriminierend empfunden.

  • Antizionismus

    von Zion: dem Tempelberg von Jerusalem, der als Wohnsitz des Gottes der Israeliten gilt 
    stellt den Zionismus als besonders rassistische und extreme nationalistische Bewegung dar. Die Kritik am Staat Israel ist hier im Vergleich zur Kritik an anderen Staaten viel schärfer. Oft bedient sich der Antizionismus antisemitischer Bilder. Und er vergleicht mit dem Nationalsozialismus. Unterschlagen wird dabei die lange Unterdrückungsgeschichte von Jüdinnen und Juden. Und dass Israel eine Konsequenz der Shoah und ein Schutzraum vor weltweitem Antisemitismus ist.

  • Apartheid

    aus dem niederl./Afrikaans apart: getrennt, besonders, anders nennt man die Periode der institutionalisierten Rassentrennung in der Republik Südafrika. Die weiße Bevölkerung diskriminierte dabei die farbige und schwarze Bevölkerung. Die Apartheid begann bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie hatte ihre Hochphase von den 1940er bis zu den 1980er Jahren. Sie endete erst 1994 nach einem Regierungswechsel. Heute wird der Begriff manchmal auch allgemein als Synonym für rassistische Segregation verwendet. Das Phänomen wurde als Straftatbestand ins internationale Recht aufgenommen.
  • Bossing

    von engl. the boss: Chef ist eine besondere Form des Mobbings, bei dem Psychoterror am Arbeitsplatz vom Chef oder der Chefin ausgeübt wird. Beim Bossing schikaniert und demütigt der Chef oder die Chefin einen/eine Arbeitnehmer/-in aufgrund angeblicher Fehler oder Schwächen. Er oder sie demonstriert damit ein Machtgefälle. Indem das Opfer vor seinem/ihrem Team lächerlich gemacht wird. Oder der/die Betroffene Aufgaben erhält, die nicht bewältigt werden können. Aus eigener Kraft kommen Betroffene aus dieser Falle häufig nicht heraus. Der Chef oder die Chefin scheint am längeren Hebel zu sitzen. Der psychische Druck ist enorm, der Verlust der Arbeitsstelle droht. Betroffene sollten dringend und schnellstmöglich professionelle Hilfe und Beratung suchen. Man kann sich wehren.
  • Chauvinismus

    ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Chauvinismus im ursprünglichen Sinne ist exzessiver, auch aggressiv überzogener Nationalismus, bei dem sich ein/e Angehörige/r einer Nation allein aufgrund seiner Zugehörigkeit zu dieser gegenüber Menschen anderer Nationen überlegen fühlt und sie abwertet. Der Begriff leitet sich von dem französischen Rekruten Nicolas Chauvin her, der zu Napoleons Zeiten durch seine fanatische Vaterlandsliebe auffiel. Heute bezeichnet der Begriff und seine Abkürzung „Chauvi“ allgemein auch ein übersteigertes, selbstgefälliges und überhebliches Männlichkeitsgebaren.

  • Classism

    von engl. the class: Klasse

    bezeichnet die systematische Diskriminierung einer Gruppe durch eine andere. Sie basiert auf sozio-ökonomischen Unterschieden und der Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Klasse), wie beispielsweise zur Arbeiterklasse, zur Gruppe der armen oder reichen Menschen oder zu den Intellektuellen. Bestimmte Werte und Fähigkeiten werden dabei sozialen Klassen zugeordnet. Dominante Gruppen definieren für die anderen, was »normal« oder »erstrebenswert« ist. Abweichendes Verhalten soll Scham nach sich ziehen und führt zum Ausschluss von bestimmten Arbeits- und Lebensbereichen.

     

  • Heterosexismus

    meint ein Denk- und Verhaltensschema, das verunglimpft, was nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Wie beim Sexismus wird angenommen, dass es „nur“ zwei Geschlechter gibt. Diese würden sich prinzipiell voneinander unterscheiden und deshalb ergänzen. Einer »Anziehung« der Gegensätze folgend, bildet sich demnach eine »biologisch-natürliche « heterosexuelle Orientierung aus. Umgekehrt werden transsexuelle, intersexuelle oder auch androgyne Personen, die sich nicht auf ein biologisches Geschlecht (im engl. sex) festlegen wollen, als gesellschaftliche »Abweichung zur Norm« klassifiziert und in Folge beschimpft oder ähnliches. 

  • Homophobie

    ist eine Erscheinungsform des Heterosexismus. Sie meint die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Dahinter steht eine irrationale, weil sachlich nicht zu begründende Angst: Gilt die Gesellschaft als „normalerweise“ zweigeschlechtlich, kann Homosexualität die eigene Identität in Frage stellen. Das kann bedrohlich wirken. Abwehrende Diskriminierung und körperliche Gewalt gegen homosexuelle Menschen können die Folge sein. 

  • Lookismus

    von engl. the look: Aussehen

    meint die Benachteiligung von Menschen mit Bezug auf Körper, Aussehen und Kleidung. Auftreten und Erscheinungsbild spielen schon lange eine wichtige Rolle in der Arbeitswelt. Sie werden häufig zu Unrecht als Indikator für den Wert einer Person gemessen. Ein Beispiel für Lookism scheint der größere Erfolg attraktiver Menschen am Arbeitsmarkt zu sein, der zunächst nichts mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen zu tun hat. Auch wenn ein Unternehmen strategisch über das Aussehen der Mitarbeiter ein bestimmtes Image vermitteln will, ist dies ein Fall von Lookism. Die Bewertung von Aussehen und Sprache der Bewerber im Einstellungsprozess ist dabei nicht verboten und schwer nachzuweisen. Ein Weg aus der Schönheitsfalle wäre es, wenn Bewerbungen kein Personenfoto beigelegt werden müsste. Dies ist beispielsweise in den USA üblich.

  • Mobbing

    von engl. to mob somebody: jemanden anpöbeln, angreifen
    bedeutet, dass Mitschüler/-innen oder Kollegen/-innen eine/n Gleichgestellten über längere Zeit hinweg erniedrigen, demütigen oder schikanieren. Selbst kriminelle Handlungen kommen dabei vor. Männer wie Frauen jeden Alters mobben oder werden gemobbt. Auch Vorgesetzte sind nicht davor geschützt (sog. „staffing“). Die Ursachen sind bisher nicht eindeutig geklärt. Verschiedenste arbeitsinterne und soziale Anlässe können zum Auslöser werden. Die Folgen wiegen schwer. Mobbing kann dazu führen, dass das Opfer kündigt, arbeitslos wird, eine Erwerbsminderung hinnehmen oder in  Frührente gehen muss. Geschädigte sollten unbedingt mit Kollegen/-innen, der JAV oder dem Chef/-in sprechen. Auch die Aufnahme von Mobbing in die Betriebsvereinbarungen kann helfen. Eine Abteilung, in der gemobbt wird, schadet dem ganzen Unternehmen. Wegen monatelanger Krankschreibungen und Unproduktivität auf Grund des schlechten Klimas. Der volkswirtschaftliche Schaden wird pro Jahr auf bis zu 50 Milliarden Euro geschätzt.

  • Nationalismus

    Im Nationalismus werden Menschen aufgrund ihrer nationalen Herkunft diskriminiert. Dabei werden in der Regel bestimmte Nationen als höherwertig angenommen als andere. Den konstruierten Nationen, beziehungsweise ihren Bürgern/-innen, werden dabei bestimmte Eigenschaften nachgesagt. Der Nationalismus verlangt von den Bürgern/-innen das eigene Wohl dem Wohle der Nation unterzuordnen. Sind Menschen hierzu nicht bereit, werden sie aus der »Gemeinschaft« ausgeschlossen.

  • Rassismus

    Im Rassismus werden Menschen als einer vermeintlich geschlossenen Gruppe zugehörig behandelt. Wegen dieser angenommenen Zugehörigkeit werden ihnen unveränderliche Merkmale und Eigenschaften unterstellt. Die Gruppen werden meist nach angeblichen äußerlichen, kulturellen, religiösen oder ethnischen Kriterien klassifiziert. Anhand dieser Einteilung bewertet der Rassismus die Menschen und hierarchisiert Gruppen von Menschen.