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  • Aktive der ver.di Jugend zum Internationalen Frauentag 2013
08.03.2013

Weltfrauentag

Kampf um Gleichberechtigung – damals wie heute

Jährlich am 8. März ist Internationaler Frauentag. Dieser Gedenktag erinnert an den steinigen Weg zu mehr Gleichberechtigung und die vielen Kämpfe, die Frauen dafür bereits ausgefochten haben. Und dass es nach wie vor einiges zu tun gibt: etwa gegen niedrigere Gehälter, prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder sexualisierte Gewalt. Ein kurzer Rundflug zur Entstehung und Entwicklung des Weltfrauentags.

Für den 19. März 1911 riefen in Deutschland die freien Gewerkschaften zusammen mit der SPD zur Beteiligung am ersten internationalen Frauentag auf. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort wurde bereits 1908 ein nationales Frauenkomitee gegründet, das ein Jahr später den ersten nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht organisierte.

Dieser Kampftag wurde vor allem deshalb ein Erfolg, weil sich auch Frauen aus dem bürgerlichen Lager den Sozialistinnen anschlossen und sich vehement für ihr Wahlrecht einsetzten. Schon im Jahr 1910 demonstrierten Frauenverbände in ganz Nordamerika für ihre Rechte.

Die deutsche Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin initiierte den Weltfrauentag im August 1910 auf der internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen. Bereits ein halbes Jahr später erhoben sich dann erstmals tausende von Frauen auch in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Dänemark und den USA. Über eine Million Frauen gingen für mehr Gleichberechtigung auf die Straße – eine bis dahin beispiellose Massenbewegung. Schon ein Jahr später schlossen sich Frauen in Frankreich, den Niederlanden und Schweden an – und 1913 auch in Russland.

Die zentralen Forderungen
Besonders das Frauenwahlrecht – erstritten im Jahr 1918 – stand in den ersten Jahren im Mittelpunkt der Forderungen. Die Frauen verlangten aber nicht nur ein Wahl- und Stimmrecht, sondern auch die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages, ausreichenden Mutter- und Kinderschutz, die Festsetzung von Mindestlöhnen und gleichen Lohn bei gleicher Arbeitsleistung.

Während des Ersten Weltkriegs bekam der Frauentag zusätzlich eine pazifistische Komponente: In dieser Zeit war er gleichzeitig auch ein Aktionstag gegen den Krieg.

Auf der großen sozialistischen Frauenkonferenz 1921 wurde der Frauentag auf den 8. März verschoben, in Gedenken an den Textilarbeiterinnen-Streik von Petersburg im Jahr 1917. Höhepunkt dieses Streiks war jene Demonstration am 8. März, die den Beginn der Februarrevolution in Russland markierte.

Mit den ersten Erfolgen – aber auch mit Beginn der Wirtschaftskrise – verschoben sich die Bedürfnisse und damit auch die inhaltlichen Forderungen der Frauen: Sie stritten nun u. a. für die Senkung von Lebensmittelpreisen, für Lohngleichheit und für den legalen Schwangerschaftsabbruch.

Verbot von Frauenverbänden durch die Nazis
Nachdem in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht kamen, verboten sie im Frühjahr 1933 alle Frauenverbände und -organisationen. Da die sozialistische Bewegung maßgeblich für die Entstehung des Frauentages verantwortlich war, wurde der Gedenktag zwischen 1933 und 1945 offiziell untersagt.

Der 8. März wurde durch den Muttertag ersetzt. Damit wurde die Frau auf ihre Gebärfunktion sowie ihre Rolle als Mutter und Ehefrau reduziert. Dagegen gab es zumindest stillen Protest und so wurde der Frauentag in den eigenen vier Wänden trotzdem häufig begangen – getarnt als Familienfeier.

Wiederbelebung des Frauentags
Nach dem Ende des 2. Weltkriegs fand im Ostteil Deutschlands bereits 1946 der Weltfrauentag wieder offiziell statt. In Westdeutschland dauerte es bis in die späten 60er Jahre, bis der Tag von autonomen Frauenzusammenhängen wiederbelebt wurde. Nach der deutschen Vereinigung erlebte der Internationale Frauentag ein Comeback. In der Bundesrepublik demonstrierten zum „FrauenStreikTag“ 1994 über eine Million Frauen für Gleichberechtigung.

Seitdem organisieren Gewerkschafterinnen, Autonomen- und Frauenverbände jährlich Demonstrationen, Veranstaltungen und Feiern. Neben den ursprünglichen Themen wie Lohngleichheit und Quotenregelung stehen mittlerweile vor allem Migrantinnenrechte, nichtheterosexuelle Lebensweisen und sexualisierte Gewalt im Vordergrund.

Nicht zuletzt die jüngste Debatte um Sexismus im Alltag hat gezeigt, wie wichtig es ist, gegen Diskriminierung klar Position zu beziehen und sich zu wehren.

Die ver.di Jugend steht für:

  • die Gleichbehandlung aller Arbeitsverhältnisse und deren Einbezug in die Sozialversicherung;
  • die Einführung existenzsichernder gesetzlicher Mindestlöhne von mindestens 8,50 € sowie ein Entgeltgleichheitsgesetz, um die Lohnlücke von 22 Prozent zuungunsten von Frauen zu schließen;
  • mehr Frauen in Führungspositionen und eine gesetzliche Quotenregelung von 40 % für Aufsichtsräte und Vorstände;
  • das Recht auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr;
  • den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen statt Betreuungsgeld;
  • gesetzliche Regelungen zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft.

"Wir wollen bessere Rahmenbedingungen für eine eigenständige Existenzsicherung von Frauen über alle Lebensphasen hinweg – und ihre gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt", fasst Ringo Bischoff, ver.di Bundesjugendsekretär, die Forderungen der Gewerkschaft zusammen.

Es gilt, heute Zeichen für morgen zu setzen! Darum finden im gesamten Bundesgebiet zum 8. März zahlreiche Aktionen, Themenabende und Diskussionen statt. Die ver.di Jugend ruft zur regen Beteiligung auf – aktiv sein, aufstehen, raus auf die Straße und Gesicht zeigen!

Einen Überblick der Aktivitäten gibt es unter http://frauen.verdi.de/themen/frauentag_2013/aktivitaeten.