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  • Kinderzeichnung: Meine Familie - zwei Mamas und zwei Kinder
19.04.2013

Regenbogenfamilien

Homosexuelle Paare mit Kindern

Über 7000 Kinder in der Bundesrepublik haben laut Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) homosexuelle Eltern. Die meisten dieser Kinder stammen aus früheren heterosexuellen Partnerschaften. Dieses Familienmodell wird auch „Regenbogenfamilie“ genannt.

Seit 2001 können in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare eine eingetragene Lebenspartnerschaft beantragen. Diese ist durch das Lebenspartnerschaftsgesetz geregelt und ermöglicht somit ein – formal bezeichnet – "Ehe-ähnliches" Zusammenleben. Die gleichgeschlechtliche Ehe hingegen wurde in der BRD immer noch nicht eingeführt.

Gesetze erschweren Familiengründung
Darüber hinaus gestaltet sich für gleichgeschlechtliche Paare die Familiengründung mit Kindern schwierig. Denn die gemeinsame Adoption eines fremden Kindes ist in der BRD nicht erlaubt – anders als in vielen europäischen Ländern wie Spanien oder Schweden. Hierzulande kann dagegen nur ein Elternteil ein Kind adoptieren und der andere darf dafür lediglich das "kleine" und damit eingeschränkte Sorgerecht beantragen.

Ähnlich kompliziert verhält es sich mit einer künstlichen Befruchtung: Laut Bundesärztekammer darf dieser medizinische Vorgang nur bei Frauen durchgeführt werden, die entweder verheiratet sind oder in heterosexuellen Beziehungen leben. Zwar gibt es Ausnahmen unter den Landesärztekammern, trotzdem fahren mittlerweile viele lesbische Paare für eine künstliche Befruchtung ins Ausland.

Für homosexuelle Männer erfüllt sich der Wunsch nach einem leiblichen Kind noch seltener: Die Vermittlung einer Ersatzmutter ist in der BRD verboten. Einzige Option ist hier die so genannte "QueerFamily", in der sich homosexuelle Männer mit Frauen bzw. Paaren zusammenfinden.

Fakten versus Vorurteile
Vorurteile gegenüber homosexuellen Partnerschaften und deren Recht auf Adoption sind weit verbreitet. Am häufigsten wird unterstellt, dass die Kinder missbraucht werden, sich häufiger homosexuell orientieren und generell "falsch" erzogen werden.

Eine Studie des deutschen Justizministeriums kam allerdings zu dem Schluss, "dass bei Kindern, die in lesbischen oder schwulen Partnerschaften aufwachsen, keinerlei Nachteile für die Entwicklung festzustellen seien. […] Kinder mit homosexuellen Eltern entwickeln demnach stabilere Persönlichkeiten als Kinder aus anderen Familienformen. Sie besitzen nachweislich ein höheres Selbstwertgefühl und mehr Autonomie."

Des Weiteren fanden die Forscher_innen heraus, dass Kinder mit homosexuellen Eltern genauso oft heterosexuell orientiert waren wie Kinder mit einem heterosexuellen Elternpaar. Auch hinsichtlich Verhaltens- und Entwicklungsstörungen waren keine Unterschiede zwischen den Kindern festzustellen. Fakt ist auch, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften keinem höheren Risiko ausgesetzt sind, Opfer sexuellen Missbrauchs zu werden.

Allen Fakten zum Trotz haben dennoch über 45% der befragten Kinder aus Regenbogenfamilien haben Diskriminierung in der Schule oder im Jugendclub erfahren. Sie werden gehänselt, weil ihre Eltern anders sind. Allerdings werden Kinder leider auch dann ausgegrenzt, wenn sie mit nur einem Elternteil aufwachsen oder Migrationshintergrund haben.

Erste bundesweite Anlaufstelle in Berlin
In Berlin wurde nun das erste Regenbogenfamilienzentrum der BRD eröffnet. Das Projekt "Regenbogenfamilien" richtet sich an Lesben und Schwule mit Kindern bzw. Kinderwunsch. Dazu bietet es Beratung, Vernetzung, Aktivitäten und Gruppenangebote sowie Fortbildungen für Multiplikator_innen und Interessierte aus pädagogischen und sozialen Bildungs- und Verwaltungsbereichen.

Außerdem setzt sich das Projekt für die Anerkennung von Lesben, Schwulen und ihren Kindern als gleichwertige Familien ein. Sie sollen dieselben Rechte wie heterosexuelle Familien haben, Kinder mit lesbischen und schwulen Eltern sollen ohne Benachteiligungen und Anfeindungen aufwachsen können.

Weitere Informationen gibt es auf http://www.regenbogenfamilienzentrum.de und als PDF-Broschüre unter http://www.berlin.de.