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  • Demo-Plakat - Nazis blockieren überall!!!
02.05.2013

Der 1. und der 2. Mai 1933

Hitlers Zerschlagung der Gewerkschaften

Der 2. Mai 1933 war für die Gewerkschaften ein trauriger Tag: Nachdem die Nationalsozialisten am 1. Mai diesen "Kampftag der Arbeiterbewegung" kurzerhand zu einem Nazifeiertag ausgerufen haben, besetzten sie am Folgetag die Gewerkschaftshäuser. Inklusive Verhaftung, Misshandlung und Ermordung von Gewerkschafter_innen. Auch deshalb ist es gewerkschaftliche Pflicht, heutigen Nazis nicht die Straße zu überlassen. Denn leider nutzen diese den 1. Mai wieder verstärkt, um für ihre menschenverachtenden Ansichten zu marschieren.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und bei Reichstagswahlen am 5. März ging die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) als stärkste Fraktion hervor. Damit war die Machtübertragung der Nazis durch Unterstützung konservativer Kräfte gelungen.

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) – eine der beständigsten Widersacher der Nazis – war spätestens seit der Verhaftung Ernst Thälmanns am 3. März illegalisiert. In der Folge war sie zur antifaschistischen Arbeit aus dem Untergrund gezwungen.

2013 jähren sich diese Ereignisse zum 80. Mal. Ein Grund mehr, in die Vergangenheit zu blicken, um aus der Geschichte zu lernen. Und heute mit wachsamen Augen eingreifen zu können, sobald sich antidemokratische Kräfte regen.

Das Aus der Gewerkschaftsbewegung
Das Verbot der Gewerkschaften und deren bewaffnete Zerschlagung waren vorhersehbar. Durch militärisches Auftreten versuchte die SA, das öffentliche Leben zu dominieren – auch in den Arbeitervierteln. In einigen Städten waren Gewerkschaftshäuser bereits besetzt oder wurden überwacht.

Bei Betriebswahlen im März 1933 gaben nur ein Viertel der Beschäftigten ihre Stimmen der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) – das bedeutete im Vergleich zu den Reichstagswahlen eine deutliche Ablehnung innerhalb der Arbeiter_innenschaft. Die Nazis waren sich ihrer schlechten Karten bewusst – und reagierten mit einer Geheimaktion zur Zerschlagung der Gewerkschaften auf allen Ebenen.

Bereits am 17. April 1933 kündigte Joseph Goebbels, Propagandaminister der Nazis, die Unterdrückung der Arbeiterbewegung an: "Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden wir dann die Gewerkschaftshäuser besetzen. Gleichschaltung auch auf diesem Gebiet."

Die Aktionen des 2. Mai zur Vernichtung der Gewerkschaften waren langfristig und genauestens geplant. SA- und SS-Truppen sowie Einheiten der NSBO waren verantwortlich für die brutale Durchführung. Sie besetzten am Vormittag des 2. Mai sämtliche gewerkschaftlichen Einrichtungen, dazu die Arbeiterbank und die Eigenhilfe. Es folgten die Absetzung und betriebliche Verbannung von rund 10.000 Gewerkschaftsfunktionär_innen, dazu die Entziehung des Gewerkschaftseigentums und des Vermögens der Arbeiterfürsorgeinstitutionen.

Die Klasse der Arbeitenden im Nationalsozialismus
Zeitgleich zur Gewerkschaftszerschlagung am 2. Mai gründete sich die Deutsche Arbeitsfront (DAF) – ein Einheitsverband aus Arbeitenden und Arbeitgebern. Die DAF spiegelte die Vorstellungen der Nazis zur künftigen Rolle der Arbeitenden wider.

Vor der Gründung gab es jedoch eine interne Auseinandersetzung. Die NSBO verkörperte eine reine Arbeiter_innen-Organisation nach gewerkschaftlichem Vorbild, nur innerhalb der nationalsozialistischen Ideologie. Dazu konkurrierend – und letztendlich am längeren Hebel – stand das Modell der DAF.

Die Nazis stritten den Klassengegensatz ab und ordneten die Arbeit alleine dem nationalen Zweck unter: "Im Betrieb arbeiten der Unternehmer als Führer des Betriebes, die Angestellten und Arbeiter als Gefolgschaft gemeinsam zur Förderung der Betriebszwecke und zum gemeinsamen Nutzen von Volk und Staat", las sich § 1 des "Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit".

Unter den Nazis wurde die DAF zur größten Massenorganisation ausgebaut – mit nahezu 20 Millionen Mitgliedern zu ihren Hochzeiten 1938. Die von Goebbels angekündigte Gleichschaltung war gelungen. Die DAF sicherte sich durch ein umfangreiches Freizeitangebot eine gewisse Popularität und konnte so ihr nationalsozialistisches Gedankengut unter die Leute bringen. Ein so genannter "Geheimdienst" sammelte unterdessen Informationen über antifaschistische und marxistische Bestrebungen innerhalb der Arbeiter_innenschaft.

"Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht"
Frei nach Bertold Brechts Motto gab es innerhalb der Gewerkschaften während der Erstarkung der Nazis vor 1933 Vorbereitungen zum aktiven Widerstand gegen die Nazis. Sie bauten Gewerkschaftshäuser zu bewaffneten Festungen aus und machten im ganzen Land mobil für einen eventuellen Generalstreik. Besonders in den großen Städten – den "roten Hochburgen" - gab es enormes Widerstandspotenzial.

Die Gewerkschaften bewiesen bereits 1920 ihre Schlagkräftigkeit, als sie den Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik verhinderten. 1933 waren sie jedoch zu zurückhaltend und versagten. Auch die Mehrheit der Sozialdemokraten unterschätzte die Gefahr. Der gute Glaube, verschont zu bleiben, überwiegte – und wurde ihnen zum Verhängnis.

Noch zum 1. Mai 1933 riefen die Gewerkschaften zum "Tag der Nationalen Arbeit" der Nazis auf. Einen Tag später wurden sie von den Nazis zerschlagen und in den folgenden Jahren verfolgt und ermordet – wie auch die Sozialdemokrat_innen. Tausende von ihnen starben in den Konzentrationslagern.

Es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen. Deshalb: Gegen Faschismus hilft keine Kapitulation, sondern nur aktiver Widerstand! Gerade auch, weil die Nazis die Tage um den 1. Mai wieder vermehrt für Aktionen nutzen, um ihre rückwärtsgewandten Ideen zu verbreiten. Die ver.di Jugend stellt sich dagegen und ruft alle zur Beteiligung auf: Zeigt Gesicht und geht auf die Straße, steht auf und wehrt euch gegen braunen Terror!

Mehr Infos zum 2. Mai 1933 liefert euch der DGB.