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  • Im Fadenkreuz des Internets
10.01.2013

Cyber-Mobbing

Rufmord im Internet

Beleidigt, gehänselt, bedroht oder lächerlich gemacht. Der Trend zum Rufmord im Cyberspace ist unverkennbar: Bundesweit erklärten 32 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren, mindestens einmal unter einer Cyber-Mobbing-Attacke gelitten zu haben.

Das allgegenwärtige Internet hat unser Zusammenleben revolutioniert. Anfangs als Datenautobahn gedacht, ist das World Wide Web mittlerweile zu einem sozialen Medium geworden. Hier wird gelebt, geliebt, gearbeitet – und leider auch gemobbt. Die ver.di Jugend hat zu dieser Diskriminierungsform einige nützliche Infos und Links zusammengestellt.

Was heißt eigentlich Cyber-Mobbing?
Das Cyber- oder E-Mobbing wird international als „Cyberbullying“ bezeichnet. Gemeint ist damit das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel – meist über einen längeren Zeitraum. Auch Gewaltandrohung, Erpressung und sogar Morddrohungen kommen vor.

Cyber-Mobbing passiert in Chats, Foren, per E-Mail und Handy, aber auch in sozialen Netzwerken wie z. B. Facebook und auf Videoplattformen wie Youtube. Besonders perfide: Einmal ins Netz gestellte Inhalte lassen sich schwer wieder löschen und können noch Jahre später z. B. in Google-Suchanfragen aktueller Freunde oder Arbeitgeber auftauchen.

Was passiert beim Cyber-Mobbing?
Cyber-Mobbing hat unterschiedliche Gesichter. Beispielsweise werden dabei gefälschte Nacktfotos oder andere diffamierende Bilder und Filme im Internet hochgeladen und kursieren anschließend in sozialen Netzwerken.

Bei einer anderen Variante werden im Social Web „Hassgruppen“ gegründet, die allein der Lästerei über eine bestimmte Person dienen. Ebenso ist es möglich, dass sich die Täter – so genannte „Cyber-Bullys“ – unter der Identität des Opfers bei einem Internet-Kommunikationsdienst anmeldet und in dessen Namen Unwahrheiten verbreitet.

Vorfälle, bei denen Jugendliche andere Personen zusammenschlagen oder zu sexuellen Handlungen zwingen, um sie mit dem Handy aufzunehmen und dies anschließend ins Internet zu stellen, werden unter dem zynischen Begriff „Happy Slapping“ zusammengefasst. Das gilt als besonders extreme Form des Mobbings.

Diskriminierung in der digitalen Dimension…
Mobbing an sich ist kein neues Phänomen. Trotz vieler Überschneidungen mit Mobbing in der realen Welt nimmt allerdings im digitalen Zeitalter die Ausgrenzung Einzelner durch Beleidigungen, Spott und Schikane bis hin zum Psychoterror eine andere Qualität an.

Diskriminierung findet heute nicht mehr nur in der Schule oder am Arbeitsplatz statt, sondern wird verstärkt über neue Kommunikationstechnologien ausgetragen. Menschen werden dadurch sozusagen öffentlich an den Pranger gestellt.

Verletzende bis menschenverachtende Inhalte werden von einem unüberschaubaren Publikum einsehbar, da online gestellte Inhalte sich weltweit extrem schnell verbreiten können – so gibt es keinen Rückzugsraum mehr für die Opfer. Die Hemmschwelle der Täterinnen und Täter wird durch die scheinbare Anonymität im Internet deutlich geringer.

… mit gravierender Wirkung
Die Diskriminierung via Internet hört nicht nach der Schule oder Arbeit auf: Sie ist in Internet und Handy rund um die Uhr und mitunter jahrelang präsent. Die Opfer wissen meistens nicht genau, wer der oder die Täter_innen sind. Das verunsichert und macht zusätzlich Angst.

Entsprechend schwerwiegend können die dadurch ausgelösten Folgen sein und sich auf die gesamte Persönlichkeit von Mobbing-Opfern auswirken. Cyber-Mobbing verursacht nicht selten psychosomatische Reaktionen, mitunter auch ernsthafte physische und psychische Schädigungen und treibt manches Opfer sogar bis zum Suizid.

Was tun gegen Cyber-Mobbing?

  • Nicht alles preisgeben – Wohnort, Schule, Handynummer und private Informationen sollten nicht im Internet einsehbar sein.
  • Misstrauisch bleiben – Nicht gleich jeden aus der Community in die Freundesliste aufnehmen. Nicht alle machen korrekte Angaben über sich und sind unter Umständen nicht die Person, für die sie sich ausgeben.
  • Keine Passwörter oder PINs weitergeben – Zugangsdaten zu Internetportalen und Handys müssen geschützt bleiben, um Mobbing und Straftaten zu verhindern.
  • Beleidigende Behauptungen nicht tolerieren – Im Internet gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie im realen Leben. Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung, Bedrohung und Verletzung des Persönlichkeitsrechts sind Straftatbestände. Auch in sozialen Netzwerken kann solcher Missbrauch gemeldet werden.
  • Beweismaterial sichern – Bei Erstattung einer Anzeige braucht die Polizei als Beweis die Aufnahmen, SMS oder Mails. Deshalb: Erst mal nichts löschen, sondern z. B. Screenshots machen. Nach der Beweisaufnahme können entsprechende Links an die Betreiber_innen einer Seite gesendet werden, mit der Aufforderung, den entsprechenden Kommentar oder das Bild unverzüglich zu löschen.
  • Cyber-Mobbing keine Chance geben – Nicht auf Streitigkeiten im Internet einlassen und nicht mitmachen, wenn andere jemanden mobben. Beim Beobachten einer Mobbing-Attacke das Opfer unterstützen, z. B. durch Schreiben eines eindeutigen Kommentars.

In jedem Fall gilt: Wer Opfer bzw. Zeugin oder Zeuge von Cyber-Mobbing wird, sollte sich Unterstützung holen. Am besten sofort mit Vertrauenspersonen bzw. der Interessenvertretung über den Vorfall sprechen und gemeinsam Lösungswege entwickeln.

Infos zur rechtlichen Handhabung gegen Cyber-Mobbing gibt es in einem weiteren Artikel der ver.di Jugend.

Hilfreiches Material und zusätzliche Tipps zum Thema finden sich außerdem beim Bündnis gegen Cyber-Mobbing, auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg und bei Klicksafe.de, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz.