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  • Originalaufnahme der Bücherverbrennung 1933 in Berlin
14.03.2013

Bücherverbrennung durch die Nazis

Digitale Kampagne zur Aufarbeitung geplant

Kurz nach ihrer Machtübernahme begannen im März 1933 die Nationalsozialisten mit der Verfolgung jüdischer, kommunistischer und pazifistischer Autorinnen und Autoren. Dies war der Auftakt eines systematischen Terrors, der in Vernichtungslagern und im 2. Weltkrieg endete. Jetzt plant ein Fotograf eine Onlineplattform zur Dokumentation der Bücherverbrennung.

Bereits wenige Wochen nachdem Adolf Hitler von Konservativen und dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die Macht übertragen bekam, bereiteten die Nazis mit Hilfe der deutschen Studentenschaft die "Aktion wider den undeutschen Geist" vor.

Die deutsche Studentenschaft – damals angeführt vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund – erstellte für die Aktion eine Liste mit 131 Autorinnen und Autoren. Die Liste beinhaltete vor allem bekannte Literat_innen der Weimarer Republik, etwa Erich Kästner, Kurt Tucholsky oder Bertolt Brecht.

Am 2. April 1933 – einen Tag nach dem so genannten "Judenboykott" – entwarfen die Studierenden einen Ablaufplan, der "Aktionswochen gegen den jüdischen Zersetzungsgeist" vorsah. Als Startdatum der Hetze war der 12. April vorgesehen. Das Ende der Kampagne sollte sich im wahrsten Sinne des Wortes ins öffentliche Bewusstsein einbrennen: In zahlreichen deutschen Universitätsstädten wurden Bücher der genannten Autor_innen öffentlich verbrannt.

Die Nationalsozialisten bezogen sich mit ihrer Aktion auf die Bücherverbrennung des ersten Wartburgfestes im Jahr 1817. Damals spielten bereits völkische, antijudaistische und gegen Frankreich gerichtete Positionen eine Rolle. Mit dieser Kampagne zogen die Nazis endgültig in die Universitäten ein – allerdings herrschte dort schon vorher ein reaktionärer und nationalistischer Geist.

Hetze gegen Judentum und Linke
In den Tagen nach Aufstellung des Ablaufplans begann in den Hochschulen die Plakatierung der "Zwölf Thesen wider den undeutschen Geist", die auch in Zeitungen veröffentlicht wurden. Die Thesen hetzten gegen jüdische bzw. kommunistische Vertreter_innen und deren Positionen und riefen zu den oben beschriebenen Aktionswochen auf. Auch der Boykott jüdischer und linker Professor_innen stand auf dem Programm.

Studierende, Dekane und Rektor_innen fast aller Universitäten beteiligten sich an den Aktivitäten. Dabei kam es auch zu Störaktionen und gewalttätigen Übergriffen gegenüber jüdischen und linken Kommiliton_innen sowie deren Professorenschaft. Ein weiterer Akt der grausamen Kampagnendramaturgie: In Rostock, Münster und Dresden stellten Nazis so genannte "Schandpfähle" auf, an denen sie die Namen missliebiger Professor_innen anschlugen.

Den traurigen Höhepunkt der Aktionswochen markierten schließlich die Bücherverbrennungen in ganz Deutschland. Die Verbrennung von Werken angefeindeter Schriftsteller_innen am 10. Mai 1933 in 21 Städten zelebrierten die Nazis wahnhaft mit "Feuersprüchen".

In den meisten Universitätsstädten hielten Professor_innen Vorträge, in Berlin sprach zusätzlich der Propagandaminister Joseph Goebbels. An den darauffolgenden Tagen fanden in acht weiteren Städten Bücherverbrennungen statt. 20.000 Bücher fielen allein in Berlin dem Feuer zum Opfer.

"Das war ein Vorspiel nur. Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."
(Heinrich Heine)

Diese düstere Prophezeiung sollte sich bewahrheiten: Die Bücherverbrennungen waren der Beginn einer menschenverachtenden Politik, die in Krieg und Massenmord endete.

In ihren Konzentrationslagern brachten die Nazis über sechs Millionen jüdische Menschen um. In über 40.000 Lagern hielten sie etwa 20 Millionen Frauen, Männer und Kinder unter lebensfeindlichsten Bedingungen gefangen – und folterten und ermordeten unzählige von ihnen auf grausamste Weise.

Aktion gegen das Vergessen
An den Orten der Bücherverbrennungen gibt es heute kaum eine sichtbare Erinnerung. Der Fotograf Jan Schenk will das jetzt ändern und diese Orte dokumentieren. Damit sich alle mit den schrecklichen Ereignissen und den dazugehörigen Orten auseinandersetzen können, soll eine Onlineplattform entstehen, die das Geschehene darstellt.

Jan Schenk ist bei seinem Vorhaben auf Hilfe angewiesen: Zum Beispiel durch Spenden, Materialien, Erinnerungen sowie Berichte von Zeitzeugen und -zeuginnen der Bücherverbrennungen.

Die ver.di Jugend unterstützt diese Aktion ausdrücklich: Was geschehen ist – und wo – darf nicht vergessen werden! Weitere Infos unter https://krautreporter.de/de/verbrannte-orte.

(Bildquelle: Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs, 183-B0527-0001-776 / Lizenz CC-BY-SA 3.0)