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  • Anti-Nazi-Flyer der ver.di Jugend - NAZIS WEGPUTZEN
30.07.2013

Auf dem rechten Auge blind?

Über extrem rechtes Gedankengut in der Gesellschaftsmitte

"Auf dem rechten Auge blind?" lautete zum siebten Mal das Motto des Gladenbacher Politikforums, zu dem die Organisatorinnen und Organisatoren des ver.di Bildungszentrums Gladenbach einluden. Rund fünfzig Gewerkschafter_innen aus dem gesamten Bundesgebiet setzten sich vom 07.-12. Juli 2013 in vier verschiedenen Seminaren mit diesem Motto auseinander.

Wenn sich in der Mitte der Gesellschaft extrem rechte Denkweisen finden, muss das auch historische Gründe haben. So wurde das Thema in einem der Seminare aus historischer Sicht betrachtet: Die Entwicklung nach 1945 und die mangelhafte Aufarbeitung des Nationalsozialismus in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik standen dort im Zentrum.

Ein weiteres Seminar richtete den Blick auf die Verbindung von wieder erwachendem Nationalismus und der "Neuen Rechten" – denn diese kommt zum Schein oft wissenschaftlich getarnt daher und ist auch an manchen Hochschulen und Universitäten zu finden.

An welche gesellschaftlich weit verbreiteten Einstellungen können radikale Rechte mit ihrer Propaganda anknüpfen? Dieser Frage ging das dritte Seminar nach. Im vierten Seminar entwarfen die Teilnehmenden Formen und Möglichkeiten öffentlichkeitswirksamer Aktionen.

Lebendiger Austausch: Die Teilnehmer_innen verknüpften die Inhalte der einzelnen Seminare, was ihnen ermöglichte, Zusammenhänge zu erkennen, Traditionen und Entwicklungen zu analysieren und Gegenstrategien zu entwickeln.

Was können wir tun gegen das verbreitete Verleugnen und Verharmlosen rechtsradikaler Gewalt und die dahinterstehende Ideologie? Die Podiumsdiskussion "Die NSU-Morde und die Rolle des Verfassungsschutzes" widmete sich genau dieser Fragestellung. Teilnehmer waren Uwe Wötzel (ver.di Bundesverwaltung, ZAKO), Reiko Pinkert (ver.di Jugend, Bündnis Dresden Nazifrei) und Henning Mächerle (Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus – Bund der Antifaschisten). In der Diskussion wurde auch auf Beispiele der Verharmlosung in der Region hingewiesen. Aber ebenso auf Gegenaktionen – in der Region und in vielen Orten der Bundesrepublik.

Mit Kultur gegen rechts
Die Theatergruppe "Theaterperipherie" aus Frankfurt gastierte mit dem aufrüttelnden Stück "radikalextrem2". Nach der kompromisslosen Aufführung folgte eine spannende Diskussion mit Regisseur und Schauspieler_innen.

Ein mitreissendes Konzert, bei dem das Publikum immer wieder Zugaben einforderte: Das "kleine elektronische Weltorchester" (ewo2) um den Sänger und Gitarristen Bernd Köhler hat traditionelle antifaschistische Lieder, eigene Stücke sowie Songs von Hanns Eisler und Bert Brecht neu arrangiert und "gegen den Strich gebürstet".

Das Rahmenprogramm des Politikforums hat ver.di GPB (Gewerkschaftspolitische Bildung) im Rahmen des Jahresschwerpunktes "80 Jahre Machtergreifung" ermöglicht.

Fulminant und ideenreich gipfelte die Woche am Freitagvormittag in einer gemeinsamen Kulturveranstaltung. Das Programm gestalteten die Teilnehmer_innen selbst – mit Theater, Pantomime, Liedern und Gedichten. Die Teilnehmenden – manche nicht zum ersten Mal dabei – zeigten sich angeregt und begeistert von der Form und den Inhalten dieser Politikwoche. Sie wollen wieder kommen.

Die ver.di Jugend bedankt sich bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement, den regen Austausch und Input.