Antira-Arbeit

Du willst gegen Diskriminierung und Rassismus vorgehen. In der Schule, am Arbeitsplatz. In deiner Berufsstelle und in deinem Alltag. Wissen hilft dir dabei. Wir haben ein Lexikon zusammengestellt mit wichtigen Begriffen der antidiskriminierenden und antirassistischen Arbeit. Damit du weißt, wovon du sprichst.

  • Abschiebung

    Dieses staatliche Zwangsmittel setzt die Ausreisepflicht eines Menschen durch. Bedingung ist, dass der/die Betreffende nicht die Staatsangehörigkeit des Landes besitzt, aus dem er abgeschoben werden soll. In der Regel handelt es sich dabei um Migranten/-innen oder Flüchtlinge. Die Abschiebung erfolgt in ein zuvor bestimmtes anderes Land. Als Grund gilt beispielsweise die „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“. Oder eine „nicht erfolgte Ausreise“ obwohl der Staat zur Ausreise aufgefordert hat. Gesetzlich geregelt ist diese Praxis in Deutschland im § 49 des Ausländergesetztes (AuslG).

  • Aggression

    von lat. aggredi: herangehen 
    meint eine dem Menschen innewohnende (lebensnotwendige) Energie. Früher wurde sie häufig gleichgesetzt mit Gewalt als zerstörendem und verletzendem Mittel. Zur Aggression gehören jedoch auch Streit, Auseinandersetzung und Konflikt. Ebenso wie Liebe und Zärtlichkeit. Also alle Impulse, welche den Menschen aktiv werden lassen. Das Gegenteil von Aggression ist die Passivität. Sie kann sich in Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit ausdrücken. Die Unterdrückung aggressiver Energien, beispielsweise durch Arbeitslosigkeit, fehlenden Raum für Jugendliche, Langeweile oder Armut, kann zu Kontrollverlusten führen. Und zum Rückgriff auf Gewalt. Mit dieser wird die Aggression dann ausgelebt.

  • Anarchie

    bezeichnet ursprünglich das Fehlen eines Anführers oder Heerführers. Heute wird Anarchie als soziale Ordnung verstanden. Sie meint Herrschaftslosigkeit. Von Gegnern der Anarchie wird diese häufig negativ besetzt als „Chaos“ beschrieben. Von Befürwortern eher als führerlose, herrschaftsfreie Gesellschaftsform, in der alle Menschen gleichwertig sind.

  • Angst

    Jede/r von uns hat Angst. Sie ist ein lebenswichtiges Warnsignal für Verdrängtes, in Unordnung oder außer Kontrolle Geratenes. Lernt jemand nicht, mit seiner Angst umzugehen, neigt er/sie schneller zu Vorurteilen und falschen Schuldzuweisungen. So hofft er/sie sich selbst und andere von ihrer/seiner Angst abzulenken. Diese Flucht vor sich selbst kann von anderen ausgenutzt werden, z.B. von religiösen Fanatiker/-innen (Fundamentalismus), politischen Verführer/-innen (Demagogen). Oder auch von Neonazis, die verunsicherten jungen Menschen ein scheinbar klares Weltbild mit eindeutigen Feindbildern anbieten.

  • Anti-Rassismus-Arbeit

    zielt auf die Prävention (vorbeugen) und Intervention (einmischen, vermitteln und handeln) bei Rassismus. Aktive wollen in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einem rassistischen Weltbild entgegenwirken. Denn dieses leugnet die Gleichwertigkeit von Menschen. Und es schädigt oder verletzt Menschen scheinbar „minderen Wertes“. Anti-Rassismus-Arbeit hingegen entwickelt, fördert, erprobt und realisiert Zivilcourage.

  • Antidiskriminierungsstellen

    Die Zahl staatlicher und nicht-staatlicher Antidiskriminierungsstellen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Trotz unterschiedlicher Arbeitsweise und finanzieller Ausstattung beraten sie alle professionell Menschen, die Diskriminierung erfahren haben. Etwa aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder der ihnen zugeschriebenen Eigenschaft als „Ausländer“. Die Stellen unterstützen beim Vorgehen gegen die Ungleichbehandlung. Und sie informieren über rechtliche Möglichkeiten. 

  • Antifa

    ist die Abkürzung des Begriffes Antifaschismus. Dieser entstand als Gegenbewegung zum Faschismus in den 1920ern. Heute versteht man in Deutschland unter Antifa linksorientierte Aktivisten/-innen, die vor allem gegen Nationalismus und Rassismus kämpfen. Die Antifa klärt auch über gesellschaftliche Strukturen auf. Beispielsweise über die Strukturen, die begünstigen, dass soziale Minderheiten diskriminiert werden. Demonstrationen sind dabei wichtig für die Kommunikation nach außen. Insbesondere autonome Antifa-Gruppen befürworten zum Teil auch gewaltsame Aktionsformen. So kommt es gelegentlich zu Straßenschlachten mit Polizei oder Anhängern der bekämpften Szene. Ein einheitliches Bild der „Antifa“ gibt es aber nicht.

  • Assimilation

    von lat. assimilare: angleichen
    bezeichnet die Angleichung von Menschen an herrschende Strukturen. Manchmal passen sich einzelne Personen aus freien Stücken an. Meistens werden ganze Gruppen jedoch gegen ihren Willen dazu gezwungen. Assimilation zwingt Menschen oder eine Gruppe dazu, die eigene Kultur zugunsten einer anderen aufzugeben. In der Regel muss dabei die Minderheit die Kultur und Normen der gesellschaftlichen Mehrheit übernehmen.

  • Asyl

    von lat. asylum: unberaubt, sicher 
    ist ein Schutzraum vor Verfolgung. Ein/e Asylbewerber/-in ist eine Person, die in einem anderen Land Schutz vor Verfolgung sucht und den Status eines (durch den jeweiligen Staat) anerkannten Flüchtlings erwerben will. Früher war der amtliche Begriff für einen anerkannten Flüchtling mit Bleiberecht „Asylant“. Der Begriff wurde seit den 80er Jahren jedoch politisch missbraucht. Bestimmten Flüchtlingsgruppen wurde so das Recht auf Zuflucht abgesprochen. Beispielsweise mit Worten wie „Asylschmarotzer“. Solche Beleidigungen diffamieren den/die Betreffenden und implizieren eher gefährliche Schädlinge als Menschen. Heute hat sich daher die Bezeichnung  „Flüchtling“ durchgesetzt. 

  • Auschwitzlüge

    nennt man das Leugnen von „Auschwitz“, dem größten Vernichtungslager der Nazis, bzw. das Leugnen des „Holocaust“. Neonazis behaupten heute, dass in Auschwitz nie Menschen systematisch ermordet, vor allem nicht vergast wurden. Allenfalls, so erklären sie, seien in Auschwitz einige Tausend Menschen an Seuchen gestorben. Ein derartiges Umschreiben der Geschichte nennt man Revisionismus. Damit wollen Nazis den Nationalsozialismus besonders für junge Menschen wieder attraktiv machen. 

  • Ausländerfeindlichkeit

    Der Begriff entstand, als in den 60er Jahren in der BRD die kurz zuvor angeworbenen "Gastarbeiter" auf erste Ressentiments der deutschen Bevölkerung stießen. Er meint eine allgemeine gesellschaftliche Ungleichbehandlung von und eine negative Grundhaltung gegenüber Menschen mit Migrations-Hintergrund. Diese negative Haltung bezieht sich häufig auf bestimmte Merkmale, wie z.B. Armut, Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Aufgrund dieser Merkmale wird dem/der Betroffenen Fremdheit oder andere Eigenschaften zugeschrieben. Dahinter stehen rassistische Vorstellungen, nach denen sich Einheimische als höherwertig betrachten und daraus die Berechtigung zur Diskriminierung eingewanderter Menschen ableiten. 

  • Aussteiger

    Die oft sektenähnlich organisierte nationalsozialistische Szene gibt nur ungern Mitakteure frei. Diese werden einerseits von alten Kameraden bedroht, andererseits leiden sie unter dem gesellschaftlichen Vorurteil „einmal Nazi – immer Nazi“. Ihre berufliche Eingliederung wird so erschwert. Die Szene kann zudem Druck auf Aussteiger und deren Familien ausüben. Häufig dauert die Lösung von extrem ideologisch geprägten Zirkeln lange. Ausstiegswillige müssen viele menschliche Bindungen aufgeben. Professionelle Hilfe von Initiativen für selbstentschlossene Aussteiger, wie beispielsweise Exit e.V., gibt es erst seit ca. zehn Jahren.

  • Ausweisung

    nennt sich die Aufforderung des Staates gegenüber einer/m Ausländer/-in, die Bundesrepublik Deutschland zu verlassen. Ausgewiesen werden kann, wer z.B. die freiheitlich demokratische Grundordnung oder die Sicherheit der Bundesrepublik gefährdet. Wer sich an Gewalttaten beteiligt oder dazu aufruft und damit droht. Auch wer eine vorsätzliche Straftat begeht, gegen Rechtsvorschriften verstößt, drogenabhängig ist oder dealt, obdachlos ist oder Sozialhilfe in Anspruch nimmt usw. (siehe Ausländergesetz §§ 45 - 48).

  • Autonom

    aus dem Griechischen: sich selbst Gesetze gebend
    so bezeichnen sich (meist junge) Menschen, die sich in der Regel als 'linksradikal' verstehen, aber keiner politischen Partei angehören. Sie fordern eine grundsätzliche Veränderung der Gesellschaft. Häufig auch eine Überwindung des Staates zur Befreiung des Einzelnen in der Gesellschaft (anarchistische Tendenz). Sie treten ein, gegen staatliche Gewalt zur Durchsetzung wirtschaftlicher Großprojekte (z.B. Castor, Atomkraftwerke etc.) oder internationaler Großveranstaltungen (z.B. Weltwirtschaftsgipfel). Manche Autonome greifen dabei selbst zu Gewalt und rechtfertigen diese als „Gegengewalt“. Bei Demos treten sie oft schwarz gekleidet als „Schwarzer Block“ auf. Viele Autonome zählen sich zu den Antifas.

  • Coming Out

    engl.: herauskommen
    bedeutet das öffentliche Bekenntnis eines gleichgeschlechtlich orientierten Menschen zu seiner sexuellen Präferenz. Dieses Bekenntnis kann auch gegen den eigenen Willen des/der Betroffenen in diffamierender oder verletzender Absicht geschehen. So ist beispielsweise im Fußball aber auch in der Filmbranche nach wie vor problematisch, offen zu Homosexualität zu stehen.

  • Demokratische Grundordnung

    aus dem Griechischen: Demokratie - Volksherrschaft
    ist eine Regierungsform, die sich aus dem Willen der Vielen herleitet. Demokratie bedeutet neben dem allgemeinen Wahlrecht auch, dass alle Staatsbürger/-innen mit den gleichen Rechten an gesellschaftlichen Vorgängen teilhaben können. Beispielsweise zusammen mit anderen aktiv in Jugendorganisationen zu arbeiten und sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Demokratie schließt das Anhören der Meinungen von und den Respekt vor Minderheiten ein. Sie heißt mit Vielfalt umgehen und einen Kompromiss zum Wohle aller finden zu können.
    Verfassungsfeindliche Bestrebungen, wie die der Neonazis, wollen unter Akzeptanz von Gewalt eines oder mehrere der folgenden Prinzipien unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung abschaffen:
    1. Die im Grundgesetz festgeschriebenen Menschenrechte: Dazu zählen unter anderem der Schutz der Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Den Gleichheitsgrundsatz. Ihm zufolge ist Diskriminierung verboten. In Hinsicht auf Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Religion, ethnische Zugehörigkeit, Anschauungen oder Behinderung. Den Minderheitenschutz sowie die Bekenntnis- und Meinungsfreiheit.
    2. Die Volkssouveränität. Gemeint ist das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen auszuüben. Dies geschieht durch Organe der Gesetzgebung, der Exekutive und der Rechtsprechung. Die Volksvertretungen werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.
    3. Gewaltenteilung und Ausschluss jeder Gewalt- und Willkürherrschaft.
    4. Die Ablösbarkeit der Regierung und ihrer Verantwortlichkeit gegenüber der Volksvertretung.
    5. Die Bindung von Exekutive und Rechtsprechung an Gesetz und Rechte.
    6. Die Unabhängigkeit der Gerichte.
    7. Das Mehrparteienprinzip.
    8. Die Chancengleichheit der Parteien und das Recht auf Ausübung einer parlamentarischen Opposition.

  • Diktatur

    von lat. dictare: ansagen, diktieren
    Diktatur ist das Gegenteil von Demokratie. Sie ist eine Regierungsform, bei der eine einzelne Person, der Diktator (Führer), oder eine Gruppe von Personen (z. B. Partei, Militärjunta oder eine Familie) regiert. Und dies mit unbeschränkter Macht. In der Regel beruht diese Herrschaft nicht auf Abstimmung und Interessensausgleich, sondern auf Terror und Gewalt.

  • Diskriminierung

    von lat. discriminare: abgrenzen, trennen
    ist die herabsetzende Behandlung von Menschen aufgrund von Merkmalen wie Herkunft, Hautfarbe, Aussehen, Nationalität, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Kultur oder Religion. Diskriminierendes Verhalten kommt im Alltag, z.B. in der Schule, in der Disko, am Arbeitsplatz oder in öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Doch auch Medien, Gesetze oder öffentlichen Einrichtungen verhalten sich zum Teil diskriminierend. 

  • Duldung

    ist der (zeitweilige) Verzicht auf die Abschiebung einer/s Migranten/-in oder eines Flüchtlings. Diese/r kann verpflichtet sein, Deutschland zu verlassen, weil er/sie ausgewiesen worden ist oder keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hat. Eine Duldung wird in der Regel erteilt, wenn rechtliche, dringende humanitäre oder persönliche Gründe oder ein erhebliches öffentliches Interesse die vorübergehende weitere Anwesenheit der/des Betroffenen in der Bundesrepublik erfordert (s. AuslG §§ 55 - 56).

  • Endlösung

    ist ein von den Nationalsozialisten erfundener Begriff. Die euphemistische Ausdrucksweise sollte verharmlosen und verschleiern, dass mit ihm die planmäßige Ermordung aller Juden und Jüdinnen gemeint war.

  • Eskalation

    von engl. escalator: Rolltreppe
    bezeichnet im militärischen und politischen Bereich die stufenweise Steigerung und Verschärfung vorhandener Mittel, um ein Ziel zu erreichen. Häufig gehört zu diesen Mitteln auch Gewalt und ihre stetige Intensivierung. Der Begriff meint auch die unkontrollierte Verschärfung oder Ausweitung eines Konflikts.

  • Ethnie

    aus dem Griechischen: Volks(stamm)
    bezeichnet eine Menschengruppe, deren Mitglieder sich auf gleiche oder ähnliche kulturelle Traditionen beziehen. Beispielsweise auf Religion oder Verwandtschaft. Die Gruppe teilt in der Regel die Vorstellung einer gemeinsamen Herkunft. Häufig sprechen die Mitglieder der Gruppe die gleiche Sprache und leben gemeinsam in einer bestimmten Region. Zentral ist die Vorstellung der Mitglieder, sich auf Grund bestimmter Merkmale von anderen Gruppen oder Ethnien zu unterscheiden.

  • Ethnische Minderheit

    aus dem Griechischen: Volks(stamm)
    Der Begriff bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die in einer Gegend lebt, in der sie weniger als die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, also eine Minderheit darstellt. Die Angehörigen dieser Gruppe weisen gemeinsame Merkmale auf. Diese unterscheiden sie von der Mehrheitsbevölkerung. Eine Minderheit hat gegenüber der Mehrheit häufig einen niederen gesellschaftlichen Rang und ist oft in einer schlechteren wirtschaftlichen Lage. 

  • Ethnisierung

    aus dem Griechischen: Volks(stamm)
    sie findet dann statt, wenn Personen wegen ihrer Herkunft, ihres Aussehens oder bestimmter Lebensgewohnheiten einer vermeintlich homogenen Gruppe zugeordnet werden. Dabei geht es vor allem um die Verwandlung von sozialen oder kulturellen Unterschieden in herkunftsbezogene Merkmale.

  • Extremismus

    von lat. extremus: das Äußerste
    Der Begriff birgt große Schwierigkeiten. Viele Institutionen und Forscher/-innen benutzen ihn vor einem totalitarismustheoretischen Hintergrund. Diese Vorstellungen beschreiben unsere Gesellschaft als Gebilde, in dessen Mitte ein demokratischer Kern liegt. Dieser Kern umfasst die Mehrheit der Bürger/-innen sowie den überwiegenden Anteil der politischen und kulturellen Landschaft. An den Rändern der demokratischen Mitte befinden sich dieser Theorie zufolge extremistische Auswüchse: der Rechtsextremismus auf der einen und der Linksextremismus auf der anderen Seite.
    Diese beiden Pole werden als außerhalb der demokratischen Gesellschaft stehend beschrieben. Beide bekämpfen dieser Theorie zufolge die Demokratie und stehen sich gegenseitig näher als jeweils der gesellschaftlichen Mitte. Diese Theorie nennt man deshalb „Hufeisentheorie“. Abgeleitet aus diesem Bild wird eine Gleichsetzung von Links und Rechts. Doch die "Hufeisentheorie" ist bei einer Beschäftigung mit den Ursachen und Ausprägungen »rechtsextremer« Einstellungen nicht haltbar. Die bürgerliche und demokratische Mitte der Gesellschaft lässt sich nicht vom »Rechtsextremismus« trennen. Ausgrenzendes und diskriminierendes Denken und Handeln findet auch in der Mitte der Gesellschaft statt. Von dieser Begrifflichkeit distanzieren wir uns entsprechend deutlich.

  • Fanatismus

    von lat. fanaticus: göttlich inspiriert
    meint im engeren Sinn den Glauben an eine unbedingte Wahrheit. Zweifel in Form von rationalen Argumenten gegen den Wert oder die Richtigkeit der eigenen Überzeugungen werden nicht zugelassen. Der Fanatismus zieht so häufig Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen nach sich. Kennzeichnend ist ein „missionarischer Eifer“ für eigene Meinungen.  Mit dem Fanatismus verbundene negative Konsequenzen für sich selbst oder andere werden als solche nicht erkannt bzw. anerkannt. Überzeugungen, die häufig in fanatischer Weise vertreten werden, sind unter anderem extremistische Ideologien, Rassismus, Fundamentalismus und religiöser Fanatismus.
    Vom Begriff „Fanatiker“ leitet sich übrigens auch der Begriff „Fan“ ab. Dieser nimmt aber nur die  enthusiastische Komponente des Begriffs auf. Der Fan vertritt in der Regel keine politischen, weltanschaulichen oder religiösen Überzeugungen. 

  • Farbige

    In der christlich-abendländischen Kultur ist die Farbe „schwarz“ negativ konnotiert. Die von Schwarzen in den USA gegründete antirassistische Bewegung reagiert darauf selbstbewusst. Mit einer ausdrücklichen Umwertung in: „Black is beautiful“. Die Selbstbezeichnung als Schwarze grenzt sich deutlich von der Sprache der Sklavenhaltergesellschaft ab. Verschiedene Gruppen, wie beispielsweise die „Women of Colour“, wählen den Begriff „Farbige“ als positive Selbstbezeichnung. Als Fremdbezeichnung ist der Begriff allerdings problematisch, weil er rassistische Vorstellungen transportiert:
    Er unterstellt, dass "Weiße" keine Farbe hätten. Damit erscheinen sie grundsätzlich anders als „Farbige“. Auch durch die im südafrikanischen Apartheidsystem entwickelte Hierarchie der Hautfarben hat der Begriff einen negativen Beigeschmack: Im rassistischen Südafrika hatten „Farbige“ zwar mehr Rechte als „Schwarze“, wurden aber dennoch von den "Weißen" stark diskriminiert und standen in der Rangfolge unter ihnen. 

  • Faschismus/ Neofaschismus

    von ital. fasci di combattimento: Kampfbünde
    Der Begriff geht zurück auf die Kampfbünde, die B. Mussolini in Italien 1919 gründete. Der Faschismus bezeichnet die Idee eines totalitären Staats unter der autoritären Führung eines einzelnen (Duce). Der faschistische Staat steht damit im Gegensatz zur Demokratie. Auch der Nationalsozialismus in Deutschland (1933-45) war eine Form des Faschismus. Heutige Neofaschist/-innen verfolgen in der Regel offen oder heimlich drei Grundprinzipien:

    1. Der Stärkere hat immer Recht. Gewalt ist ein Mittel, um dieses Recht durchzusetzen.
    2. Menschen sind „von Natur“ aus ungleichwertig. Einige sind höhergestellt, beispielsweise Menschen mit blauen Augen: Andere sind (willkürlich) niedriger in der Hierarchie, beispielsweise Brillenträger, Frauen oder Flüchtlinge.
    3. Faschisten/-innen folgen einem Führer. Dieser soll durch seine Macht all jenen Kraft und Stärke vermitteln, welche (bis in den Tod) zu ihm halten.
  • Faschos

    ist eine Selbstbezeichnung von Neonazis, aber auch von Mitläufer/-innen, die vom Faschismus noch nie ein Wort gehört haben. Sie verbindet dumpfer Ausländer/-innenhass und einige Kennzeichen der rechten Szene wie z.B. Springerstiefel oder eine Vorliebe für hasserfüllte oder rechtsradikale Musik. Der Begriff Fascho wird auch als Schimpfwort von links orientierten Aktivisten/-innen für politisch rechts orientierte Gegner benutzt.

  • Flüchtling

    ist eine Person, die vor Gefahren oder lebensbedrohlichen Situationen flieht. Dazu zählen auch wirtschaftliche Unsicherheit, Ausbeutung, Hunger und Elend. Oft werden Flüchtlinge mit diesem Hintergrund unabhängig von anderen Motiven jedoch als „Wirtschaftsflüchtlinge“ in Verruf gebracht. Laut Genfer Konvention bezieht sich die Bezeichnung Flüchtling auf alle Personen, die wegen Herkunft, Religion, Staatsangehörigkeit, Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden. 

  • Fundamentalismus

    von lat. fundamentum: Grund, Unterbau
    nennt man jede Form von fanatischem Extremismus, der auch mit Gewalt eigene, oft religiöse, Ziele gegen Andersdenkende durchsetzt. Häufig wird Fundamentalismus in Verbindung mit dem Islam genannt. Manche Bücher oder Fernsehsendungen zeichnen so das Schreckgespenst von fundamentalistischen Muslimen, die Europa bedrohen. Dieses Feindbild soll Angst machen und von den eigentlichen Problemen unserer Gesellschaft ablenken. Fundamentalistisch eingestellte Menschen finden sich zudem auch bei den Anhänger/-innen anderer Religionen, also z.B. bei Juden, Hindus, Buddhisten und nicht zuletzt auch unter Christen. Christliche Fundamentalisten finden sich sowohl in den Kirchen, beispielweise in Nordirland, als auch in sogenannten „Sekten“.

  • Genozid / Völkermord

    bezeichnet die geplante Ermordung bestimmter Ethnien. Seit der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 ist er ein Straftatbestand im Völkerstrafrecht. Gekennzeichnet ist er durch die spezielle Absicht, „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“. Seit dem Beschluss durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen ist die Bestrafung von Völkermord auch in verschiedenen nationalen Rechtsordnungen ausdrücklich verankert.

  • Gewalt

    liegt vor, wenn Menschen gezielt oder fahrlässig körperlich oder seelisch geschädigt werden. Gewalt ist an Macht geknüpft. Dazu gehört auch der Bereich der strukturellen Gewalt. Damit sind Ordnungssysteme und sozio-ökonomische Phänomene gemeint, wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, ungerechte Gesetze, Obdachlosigkeit oder Armut. Strukturelle Gewalt kann die materielle, soziale und ideelle menschliche Entwicklungen beeinträchtigen oder verhindern.

  • Gewaltprävention

    ist die gezielte und erfolgreiche Vorbeugung und Intervention zur Vermeidung und Verringerung von Gewalt. Dabei geht es darum, sich mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen darüber zu verständigen, dass Gewalt verletzt, schädigt und eskaliert. Frieden ist nur möglich, wenn wir uns auf Regeln des gewaltfreien Umgangs einigen, die für alle gelten können und sollen.  

  • Gleichheit

    meint die Gleichwertigkeit aller Menschen. Diese sind nicht identisch in Hinsicht auf ihre Interessen, Fähigkeiten oder Lebensformen. Gleichheit bedeutet demnach, dass alle dieselben Rechte und Chancen besitzen sollen. Allen Menschen müssen die gleichen Möglichkeiten eingeräumt werden, damit z.B. Erfolg in der Schule oder am Arbeitsplatz nur von der eigenen Leistung abhängt. Gleichheit kann jedoch nur verwirklicht werden, wenn Menschen annähernd gleiche Voraussetzung bei sozialer Sicherheit, Bürgerrechten, Bildung usw. haben.
  • Hautfarben

    Der Mensch passt sich, wie jedes Lebewesen, an Umwelt und Klima an. Die ersten Menschen hatten dunkle Haut. Der Mensch hat seinen Ursprung in Afrika. Dunkle Haut schützt vor der Sonne. Bei ihrer Wanderung nach Norden, ins damalige Europa und nach Asien, litten die Menschen an Vitamin D-Mangel. Der Körper kann dieses lebensnotwendige Vitamin jedoch selbst produzieren, wenn die UV-Strahlung tief genug in die Haut eindringt. Das kann sie bei heller Haut leichter. 

  • Holocaust

    ursprgl.: Entsetzen, Erschrecken, Zerstörung und Verwüstung
    Seit dem Nationalsozialismus wird mit diesem Begriff die planmäßige Ermordung vor allem der Juden, Roma und Sinti durch Deutsche in der Nazizeit beschrieben. Die jüdische Bezeichnung für den Holocaust ist „Shoah“ (Unheil, Katastrophe). Der Holocaust gründete auf dem staatlich propagierten Antisemitismus und wurde im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt.

  • Illegal

    von lat. lex: Gesetz
    Engagierte im Bereich Asyl und Menschenrechte verwenden diesen Begriff nicht mehr. Stattdessen sprechen sie von „sans-papiers“ (frz.: ohne Papiere). Dies bezeichnet den Status von Menschen, die nicht die notwendigen Papiere besitzen, um legal in dem Land zu leben, in welches sie geflüchtet oder eingewandert sind. Jemand kann „sans-papiers“ sein, weil er/sie ohne Einreiseerlaubnis ein Land betritt. Weil er/sie dort ohne Aufenthaltserlaubnis wohnt.  Oder weil eine Regierung die Regeln für eine Aufenthaltserlaubnis ändert. Dann gilt plötzlich das Recht, in einem Land zu leben, nicht mehr. All dies kann aber einen Menschen nicht illegal machen: Kein Mensch ist illegal!

  • Institutioneller Rassismus

    Rassistische Denk- und Handlungsweisen sind nicht nur persönlichen Einstellungen von Menschen. Sie finden sich auch in der Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders. Beispielsweise bei Gesetzen, die Migranten/-innen wesentliche Rechte vorenthalten. Dabei wird die eigene Gruppe systematisch gegenüber den Nicht-Dazugehörigen privilegiert. Indem man sich solchen Bedingungen anpasst, beteiligt man sich an der Diskriminierung, ohne dass persönliche Vorurteile vorhanden sein müssen. 

  • Integration

    von lat. integrare: Herstellung eines Ganzen
    bezeichnet den Vorgang der Eingliederung von Menschen in ein gesellschaftliches System (z.B. Behinderte in eine Regelschule) oder in eine Gesellschaft (z.B. Menschen anderer Herkunft). Integration heißt gesellschaftliche, gleichberechtigte Teilhabe bei gleichzeitiger Wahrung der je eigenen Identität, Religion und den kulturellen Äußerungen. Integration fordert und löst ein Zugehen aufeinander aus. Wird diese Leistung einseitig auf eine Minderheit bezogen erwartet, spricht man von Assimilation (Angleichung, Unterordnung).

  • Internationalismus

    ist eine Weltsicht, die menschliches Leben, die Menschenrechte und die Menschenwürde als bedeutsamer einstuft als die Staatsangehörigkeit. Er meint die Weigerung, grundlegende Unterschiede zwischen Menschen - welcher Staatsangehörigkeit auch immer - anzuerkennen. Entsprechend engagieren sich die Anhänger gegen Nationalismus, Rassismus, Faschismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie und andere Formen von Menschenverachtung.

  • Interreligiöser Dialog

    bezieht sich auf den Kontakt, das Gespräch und die Verständigung zwischen den verschiedenen religiösen Glaubensgemeinschaften. Ziel ist die Begegnung und der Austausch über Wert- und Lebensvorstellungen.

  • Intoleranz

    von lat. tolerare: (nicht) dulden
    ist der Mangel an Respekt gegenüber Kultur, Bräuchen und Glaubenseinstellungen anderer. Intolerant verhält sich, wer nicht bereit ist, andere Menschen auf ihre Art leben zu lassen oder keine anderen Meinungen als die eigene zulässt. Intoleranz kann dazu führen, dass Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Sexualität oder sogar wegen ihrer Kleidung oder Haartracht diskriminiert werden. Intoleranz akzeptiert keine Unterschiede. Sie bildet den Grundstock für Rassismus, Antisemitismus, Feindbilder und Diskriminierung.

  • Islam

    Der Islam entstand im 7. Jahrhundert als jüngste Weltreligion. Verkünder des Islam war Muhammad (auch Mohammed) (ca. 570 - 632 n.Chr.). Muslime glauben, dass er die von allen Propheten vermittelte Botschaft Gottes, die nach muslimischem Verständnis immer wieder von den Menschen verfälscht worden ist, endgültig im wahren Sinne Gottes übermittelt hat.

  • Jude

    ist nach jüdischer Definition „wer von einer jüdischen Mutter stammt“. Als Juden bezeichnet man sowohl Angehörige des jüdischen Glaubens als auch des jüdischen Volks. Juden leben seit mehr als 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. In dieser Zeit erlebten sie sowohl Toleranz als auch antijudaistische und später antisemitische Gewalt. Im Holocaust schlug sich der Antisemitismus mit der gezielten Ermordung von Juden im größten Massenmord der Geschichte nieder.  

  • Jugendarbeit, rechtsextreme

    Rechtsextreme Kader versuchen sich Einfluss zu verschaffen, indem sie bei der Bevölkerung ein Bild von sich als „normal“ und scheinbar harmlos aufzubauen versuchen. Mit der „nationalen Jugendarbeit“ wollen sie sich durch soziales Engagement junger Rechter in der gesamten Gesellschaft einnisten. Sie organisieren Gesangskreise von Jungkameraden in Altenheimen, Baumpflanzaktionen in tristen Plattenbausiedlungen oder Zeltlager für Jugendliche. Das Vorleben von Pünktlichkeit, Sauberkeit, Selbstdisziplin und Fleiß soll die Bevölkerung überzeugen, dass Nachwuchs-Rechtsextremisten/-innen "anständige" Jugendliche sind. Zudem bringt die „nationale Jugendarbeit“ die Jugendlichen mit rechtsextremer Ideologie in Kontakt. Attraktiv sind die Angebote der Rechten dabei oft schon aus Mangel an Alternativen. Besonders in Ostdeutschland fehlt es der staatlichen Jugendarbeit an Personal und Sachausstattung, um Angebote zu machen. Und es wird stetig weiter gekürzt. Wird die rechtsextreme Jugendkultur dominant, führt dies jedoch schnell zu sogenannten "No-Go-Areas" für Andersdenkende. Denn Gewalt lehnen die scheinbar harmlosen jungen Rechten keineswegs ab. 

  • Kanaken

    polynesisch: Mensch
    nennen sich die Ureinwohner/-innen Polynesiens und einiger Südseeinseln. Angehörige von Minderheiten (insbesondere der türkischen Minderheit in Deutschland) werden oft mit dem Begriff beschimpft. Einige Jugendinitiativen (z.B. die Ruhrkanaker aus dem Ruhrgebiet) und junge Deutsch-Türken/-innen (in Deutschland mit türkischem Pass geboren) drehen den Spieß um. Sie bezeichnen sich selbst stolz als „Kanaken“. Sie halten so der deutschen Mehrheit das eigene Vorurteil vor.

  • Kanaksprak

    ist die Mischsprache von Migrantenjugendlichen. Sie vernetzt kreativ Teile der Ursprungs- und der deutschen Sprache miteinander.

  • Kirchenasyl

    nennt man den Schutz eines von Abschiebung bedrohten Flüchtlings durch eine Kirchengemeinde. Oft handelt es sich dabei um die allerletzte Möglichkeit, Flüchtlinge vor einer voreiligen Abschiebung zu bewahren. Damit soll ein Zeitaufschub erreicht werden, der die Nutzung aller rechtlichen Möglichkeiten eröffnet. Kirchenasyl ist eine Form des zivilen Ungehorsams. 

  • Konzentrationslager - KZ

    sind Lager zur massenhaften Inhaftierung von missliebigen Personen. Konzentrationslager wurden erstmals um 1895 im revolutionären Kuba errichtet. Die Nazis errichteten im Dritten Reich in Deutschland und Osteuropa Konzentrationslager. Diese dienten vor allem als Vernichtungslager für die planmäßige Ermordung von Juden, Sinti und Roma. 

  • Links / Rechts

    Die politischen Begriffe links und rechts bezogen sich ursprünglich auf die Sitzpositionen in der Nationalversammlung nach der französischen Revolution von 1789. Heute bedeutet links so viel wie fortschrittlich, an die Möglichkeit einer Veränderung glaubend, der Idee der Gleichwertigkeit von Menschen anhängend und für den Schutz des/der Schwächeren eintretend. Rechts steht hingegen eher für konservativ, an Bestehendes und Bewährtes glaubend, der Idee des Erfolgs des/der Tüchtigen anhängend und für eine starke Regierung weniger Auserlesener eintretend.

  • Macht

    ist an sich weder gut noch schlecht. Sie kann grundsätzlich verstanden werden als die Fähigkeit zu verändern und zu handeln. Sie ist jedoch immer kritikwürdig und rechtfertigungsbedürftig. Macht wird Menschen anvertraut. Wird dieses Vertrauen missbraucht, sprechen wir von Machtmissbrauch. Dieser liegt vor, wenn Macht ausgeübt wird, um andere zu schädigen, geltendes Recht zu beugen oder andere zu unterdrücken.

  • Mainstreamingprozess

    engl.: Hauptrömungsprozess
    beschreibt den Prozess, Konzepte und/oder Wertvorstellungen in der Gesellschaft und im Alltagsleben der Menschen zu verankern. Ein Beispiel ist das "Gender-Mainstreaming", das auf die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zielt. Erreicht werden soll dies durch eine Aufnahme der Geschlechterperspektive in alle politischen Bereiche. Auf allen Ebenen sollen die Ausgangsbedingungen und Auswirkungen auf die Geschlechter berücksichtigt werden, um auf eine tatsächliche Gleichstellung hinwirken zu können. Mainstreamingprozesse finden sich auch in der anti-diskriminierenden Arbeit, die ebenfallls in allen gesellschaftlichen Ebenen verankert werden soll. 

  • Menschenrechte

    sind die Rechte, auf die jeder Mensch ohne Ausnahme und ohne Vorbedingung oder Vorleistung ein Anrecht hat. Sie gründen auf Ideen der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Menschenrechte beinhalten soziale und politische Rechte. Soziale Rechte meinen beispielsweise das Recht auf Arbeit, Wohnung und Nahrung. Politische Rechte sind etwa die freie Meinungsäußerung oder der Schutz vor Folter. Alle demokratischen Staaten in Europa haben die Europäische Erklärung der Menschenrechte oder die UN-Deklaration der Menschenrechte unterzeichnet.

  • Migrant/-in

    von lat. migrare: wandern, auswandern
    Ein/e Migrant/-in ist eine Person, die von seinem/ihrem Heimatort dauerhaft an einen anderen Ort umsiedelt. Man unterscheidet Binnenmigration, die innerhalb eines Landes stattfindet, von der Außenmigration. Diese meint die Umsiedlung von einem Land in ein anderes. Viele Menschen anderer Herkunft waren, bevor sie nach Deutschland kamen, Binnenmigrant/-innen, weil sie auf der Suche nach Arbeit z.B. ihre bäuerliche Herkunft gegen ein Leben in der Großstadt eingetauscht haben. Vor drohender Verslumung und auf der Suche nach Arbeit und würdigem Leben flohen sie oft weiter in ein anderes Land. Eine Zeitlang hat die BRD gezielt Menschen aus anderen Ländern als Arbeitskräfte angeworben. Man spricht in solchen Fällen auch von Arbeitsmigration. Laut aktueller Sprachregelung gelten alle Flüchtlinge, Aussiedler/-innen und alle wegen Arbeit Angeworbenen als Migrant/-innen.
    Die Medien stellen Einwanderer/-innen immer wieder als Bedrohung dar. Bilder von Naturkatastrophen, wie beispielsweise „Asylantenflut“ suggerieren, durch Zuwanderung werde die Gesellschaft überflutet. Doch mit solchen Forumlierungen werden Menschen zum Problem gemacht.

  • Minderheit

    Menschen gelten aus verschiedenen Gründen als Minderheit. Zum Beispiel, weil sie einer anderen Religion angehören als die Mehrheit. So etwa Juden oder Muslime in Deutschland. Aber auch, weil sie eine andere sexuelle Orientierung entwickeln als die Mehrheit oder weil sie aus einer anderen Volkszugehörigkeit stammen. Ob eine Gesellschaft demokratisch reif ist, zeigt sich immer auch an ihrem Umgang mit Minderheiten und deren Meinungen. Wer unter Demokratie nur „die Mehrheit entscheidet“ versteht, der vergisst die Minderheiten und ihre Rechte. Deren Berücksichtigung erfordert oft den fairen Kompromiss. Dieser wird in vielen Gesellschaften jedoch wenig beachtet. Auch in sich selbst als demokratisch bezeichnenden Gesellschaften findet man es „normal“, dass Angehörige von Minderheiten deutlich unterprivilegiert sind. Also weniger Macht, Einkommen, Rechte etc. als die Mitglieder der Mehrheit haben.

  • Minderheitenschutz

    In der EU gibt es Bestimmungen, welche die Rechte von Minderheiten gewährleisten sollen. Auch wenn diese noch nicht immer überzeugend umgesetzt werden. Besonderen Schutz genießen laut Gesetz ethnische Minderheiten. Diesen muss laut Gesetz von der Mehrheitsbevölkerung eines Landes die Pflege ihrer besonderen Kultur, Sprache und eventuell Religion ermöglicht werden. Auch wenn dies zu besonderen Kosten und zu einer scheinbaren Bevorzugung der Minderheit führt. Übrigens gibt es auch in Deutschland ethnische Minderheiten, die den meisten von uns gar nicht bekannt sind. Zum Beispiel dänische Deutsche in Schleswig-Holstein oder friesische Deutsche auf den Nordseeinseln. Oder die Wenden und Sorben in der Lausitz, die eine deutsche, slawisch-sprachige Minderheit darstellen. Es gibt jüdische Deutsche und Minderheiten, die erst in den letzten 50 Jahren zuwanderten. So zum Beispiel Kurden/-innen und Türken/-innen. Der Minderheitenschutz ist bei uns sehr unterschiedlich geregelt. Dass die Bestimmungen für die dänische Minderheit am besten, für die Roma, Sinti oder Kurden/-innen am schlechtesten geregelt sind, hat rassistische Hintergründe. 

  • Multikulturalismus

    meint, dass verschiedene Kulturen in einem Land miteinander im Austausch stehen oder nebeneinander existieren. Oft wird der Begriff ideell verwendet, im Sinne einer sich gegenseitig bereichernden, antirassistischen, zukünftigen Lebensweise. Multikulturalismus kann aber auch die Isolierung von Kulturen bedeuten. Manche Rassisten/-innen glauben beispielsweise an eine Art Multikulturalismus parallel zum früheren „Apartheid“-System in Südafrika. Dort wurden verschiedenen Kulturen ungerecht voneinander getrennt. Und Schwarze grausam unterdrückt.  Unsere Idee einer multikulturellen Gesellschaft geht hingegen davon aus, dass Kulturen lebendig sind. Sie können sich verändern und gegenseitig befruchten. Multikultur will eine kulturelle Vielfalt auf der Basis von Gleichberechtigung, Respekt, Solidarität und Gerechtigkeit.

  • Nation

    Nationen sind keine organischen, biologischen oder natürlichen Einheiten. Sie existieren, weil bestimmte Menschen oder Gruppen es so wollen. Die Vorstellung von Nationen ist recht neu. Sie entstand im 19. Jahrhundert. Staaten, welche die Menschen auf ihrem Gebiet vereinen wollten, schufen die Idee der Nation mit einer Geschichte, einer Sprache und einem festumrissenen Staatsgebiet.
    In Europa gab es seit Ende des 19. Jahrhunderts Menschen, welche die Idee der „Nation“ strikt ablehnten: die Internationalisten/-innen. Sie sahen in der Idee ein Instrument der Herrschenden, sprich Militär oder Großindustrie, um den Arbeitern/-innen demokratische Rechte vorzuenthalten. Würden sich beispielsweise französische, britische und deutsche Arbeiter/-innen bei Streik oder Revolution gegenseitig unterstützen, so würde das ihre Kräfte gewaltig verstärken. Einige ihrer Vorstellungen leben heute in der Idee von einem „Europa ohne Grenzen“ fort oder auch in der Idee einer Weltherrschaft der Vereinten Nationen.

  • Nationalismus

    ist eine politische Ideologie, die das Interesse einer "Nation“ über die Interessen anderer und auch über alle anderen Bindungen stellt. Egal ob diese familiärer, freundschaftlicher oder geschlechtsspezifischer Natur sind. Nationalismus macht einen Unterschied zwischen Menschen aufgrund einer Staatsgrenze. Diese hat jedoch oft nichts mit den Menschen, die in der Region leben, zu tun. Sie wurde durch eine/n Herrscher/-in oder eine Regierung gezogen. Der Nationalismus behauptet die Überlegenheit der Bürger/-innen einer Nation über die einer anderen. Mit ihm verbindet sich ein übersteigerter Anspruch auf Selbstbehauptung und eine arrogante Überheblichkeit gegenüber anderen Nationen. Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden abgelehnt.

  • Nazis/ Neonazis

    Wer heute noch immer oder wieder die menschenverachtende und verbrecherische Ideologie und das politische System des Nationalsozialismus (1933-45) für erstrebenswert hält, gilt als Neonazi. Dabei ist nicht ausschlaggebend, ob die Nachahmung in Worten, Schriften oder Taten erfolgt oder ob der/die Betreffende als „Einzelkämpfer/-in“ auftritt oder als Organisation. „Neo“ im Sinne von „Neu“ ist an den Neonazis von heute eigentlich nichts, weil auch sie sich an den drei Hauptmerkmalen der Faschisten orientieren und zu erkennen geben.

  • Neger/-in

    aus dem span. negro: schwarz
    Der heute als diskriminierend geltende Ausdruck "Neger" entstand im 18. /19. Jh. während des Kolonialismus. Europäer stellten sich damals eine unterentwickelte und wilde Menschen-„Rasse“ vor, die durch ihre schwarze Hautfarbe gekennzeichnet war. Bis heute werden Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe als minderwertig diskriminiert. Auch verniedlichende Rassismen, wie „Negerkuss“ oder Bilder von Schwarzen als Exoten, verhindern ein gleichberechtigtes Miteinander. Zudem dient die Farbe schwarz in der christlich-abendländischen Kultur nach wie vor zur Bezeichnung des Bösen, Unheimlichen, Gefährlichen. In der Umgangssprache schlägt sich dies in Ausdrücken wie „schwarzfahren“, „Schwarzhandel“, „schwarze Magie“ oder „schwarzsehen“ nieder.

  • Neue Rechte

    ist eine Selbstbezeichnung jüngerer rechtsradikaler Gruppierungen, die vor allem an Oberschulen und Universitäten aktiv sind. Sie lehnen die Gleichwertigkeit der Menschen ab und fordern eine elitäre, „natürlich-hierarchische“ Ordnung. In dieser wollen sie selbst wegen „besonderer geistiger Fähigkeiten“ das Sagen haben. Wenn es ihren Interessen dient, greifen sie auch auf Gedanken linker Vordenker/-innen zurück. Sie benutzen zum Teil moderne gesellschaftliche Erkenntnisse, um ihre Interessen zu tarnen. So sprechen auch sie beispielsweise nicht mehr von „Rassen“, sondern von Kulturen. So beispielsweise, wenn sie Türken/-innen auffordern, Deutschland zu verlassen, weil sonst „ihre türkische Kultur hier Schaden nehmen würde.“. Die Mitglieder der „Neuen Rechten“ sind häufig schwer zu enttarnen. Sie verstecken ihre Menschenverachtung hinter Meinungsfreiheit, ihrem Bildungsniveau und ihrer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit. 

  • Pazifismus

    meint eine ethische Grundhaltung, die die den Krieg prinzipiell ablehnt. Bewaffnete Konflikte sollen vermieden werden. Gleichzeit will der Pazifismus die Bedingungen für dauerhaften Frieden schaffen. Im strengen Sinne meint er den Weg zur Befreiung von Gewalt, sprich die Gewaltlosigkeit. Dabei geht man davon aus, dass das Ziel mit dem Mittel, mit welchem es erreicht werden soll, identisch sein muss: Frieden als Zustand von Gewaltlosigkeit lässt sich folglich nur ohne Gewalt erreichen. 

  • Politik

    aus dem Griechischen: Stadt, Stadtbürger
    bezeichnet die Angelegenheiten, welche die Einrichtung und Steuerung von Staat und Gesellschaft im Ganzen betreffen. Politik umfasst dabei alle Aufgaben, Fragen und Probleme, die den Aufbau, den Erhalt sowie die Veränderung und Weiterentwicklung der öffentlichen und gesellschaftlichen Ordnung anbelangen. Dabei wird das öffentliche Leben politisch durch Regierungen, Parlamente, Parteien, Organisationen, Gruppen und Einzelne gestaltet.

  • Rassen

    Der Begriff ist problematisch. Während der Kolonialzeit oder des Nationalsozialismus begründete er Herrschaft über Menschen. Diese wurden dabei mittels des „Rassen“-Begriffs den Interessen der Herrschenden untergeordnet, missbraucht, ausgebeutet oder ermordet. Der Begriff diente in der Geschichte und Biologie dazu, um Menschengruppen aufgrund unterschiedlicher körperlicher Merkmale, wie beispielsweise der Form des Schädels, des Körperbaus oder der Hautfarbe in menschliche „Rassen“ zu unterteilen. Solche Kriterien haben sich jedoch wissenschaftlich als irreführend, nicht trennscharf und willkürlich herausgestellt. Eine aktuelle Methode der Unterscheidung ist die Häufigkeit, mit der bestimmte Genkombinationen in einer Bevölkerungsgruppe vorkommen. Dabei hat sich herausgestellt, dass es in einer genetisch gleich definierten Gruppe größere Unterschiede zwischen den Menschen geben kann, als zwischen den Menschen genetisch verschieden definierter Gruppen. Im Klartext: Ein Mensch aus Nordrhein-Westfalen kann einer/m Aborigine aus Australien genetisch ähnlicher sein, als jemandem aus Bayern.

  • Rassismen

    sind kleine, oft kaum bewusste und spürbare Äußerungen von Rassismus. Ein Beispiel ist das sexistische Wort „dämlich“. Kaum jemand denkt bei der Verwendung noch an die ursprüngliche Ableitung des Adjektivs von „Dame“ oder „damenhaft“. Leider wird Negatives häufig in weibliche Begriffe gekleidet. Durch unsere Sprachgewohnheiten festigen sich so fast unbemerkt bestehende Sexismen. Aus dem entsprechenden Begriff „Herr“ ist im Gegensatz dazu das positiv besetzte Adjektiv „herrlich“ geworden. 

  • Rechts

    Die politischen Begriffe links und rechts bezogen sich ursprünglich auf die Sitzpositionen in der Nationalversammlung nach der französischen Revolution von 1789. Heute bedeutet links so viel wie fortschrittlich, an die Möglichkeit einer Veränderung glaubend, der Idee der Gleichwertigkeit von Menschen anhängend und für den Schutz des/der Schwächeren eintretend. Rechts steht hingegen eher für konservativ, an Bestehendes und Bewährtes glaubend, der Idee des Erfolgs des/der Tüchtigen anhängend und für eine starke Regierung weniger Auserlesener eintretend.

  • Rechtsextremismus

    Laut dem Politikwissenschaftler Richard Stöss ist der Rechtsextremismus ein komplexes Einstellungsmuster mit vielfältigen Dimensionen. Merkmale des Rechtsextremismus sind demnach: Nationalismus, Ethnozentrismus, Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Pro-Nazismus, Befürwortung einer Rechts-Diktatur, Demokratiefeindschaft, Sexismus und Wohlstands-Chauvinismus.
    Je mehr dieser Dimensionen von einer Person unterstützt werden, desto klarer kann von einem festen bis geschlossenen rechtsextremen Weltbild ausgegangen werden. Der Begriff umfasst somit mehr Erscheinungsformen als die Naziszene. 

  • Respekt

    bedeutet Beachtung, Achtung, Wertschätzung.

  • Semiten

    Der Begriff geht zurück auf Sem, den ältesten Sohn Noahs im Alten Testament. Heute bezeichnen sich so Gruppen und Völker im Nahen Osten und in Nordafrika, die sich in ihrer sprachlichen oder geschichtlichen Herkunft auf Sem berufen. Arabisch und Hebräisch sind beispielsweise semitische Sprachen.
    Der Begriff "Antisemitismus" wurde 1879 von dem nationalistischen Journalisten Wilhelm Marr erfunden, der in seiner Schrift "Der Sieg des Judentums über das Germanentum" beweisen wollte, dass Germanen und Juden unterschiedliches Blut haben.

  • Shoa

    ist die hebräische Bezeichnung für das Leiden der jüdischen Bevölkerung durch Vertreibung und Krieg. Heute wird dieser Begriff für die Ermordung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus, sprich im Holocaust, verwendet. 

  • Sitzblockade

    Mit Sitzblockaden versperren Menschen in friedlichem aber wirksamem Protest durch Sitzen Plätze und Straßen, um auf eine Unrechtsituation aufmerksam zu machen. Die Sitzblockade ist eine Form des zivilen Ungehorsams. Unter diesem Begriff versteht man den bewussten gewaltfreien Verstoß gegen rechtliche Normen – auch die Ausnutzung von rechtlichen Grauzonen aus Gewissensgründen zur Beseitigung einer Unrechtssituation. Beispielsweise, wenn viele Menschen mit einer Sitzblockade friedlich versuchen, Nazis daran zu hindern, durch die Straßen unserer Städte und Dörfer zu ziehen. Nicht selten konnten Nazidemos so verhindert oder zumindest erheblich verkürzt werden. In der Bundesrepublik Deutschland ist eine Sitzblockade verfassungsrechtlich eine Versammlung nach Art. 8 des Grundgesetzes. 

  • Solidarität

    von lat. solidus: fest, echt
    meint den Sinn für Gemeinschaft. Der Begriff bezeichnet eine Form von Für- und Miteinander in Form von Sympathie, moralischer Unterstützung, materieller Hilfe oder  Zusammenarbeit bei Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Solidarität kann es zwischen Staaten, Nationen, Gruppen oder Einzelpersonen geben. Sie kann sich passiv in Form von Sympathie oder aktiv als materielle Hilfe oder Zusammenarbeit ausdrücken. Wesentlich ist dabei, einzelne nicht ihrem individuellen Schicksal zu überlassen, sondern Belastungen auf mehrere zu verteilen. Solidarität wird auch die „Zärtlichkeit der Völker“ genannt. Damit ist gemeint, dass nur die gegenseitige Hilfe der Menschen als Solidarität bezeichnet werden kann und nicht etwa die Zusammenarbeit von zwei Diktatoren zum Schaden der Menschen.

  • Sozial

    von lat. socius: gemeinsam, verbunden
    bezeichnet wechselseitiges Bezugnehmen als eine Grundbedingung des menschlichen Zusammenlebens. Gesellschaftliches Zusammenleben ist nur möglich, wenn sich die Mitglieder einer Gesellschaft miteinander verständigen. Sie müssen Regeln entwickeln, die für alle gelten können und sollen und deshalb wirksam werden. Dazu gehört der Streit ebenso wie der vertraute Umgang miteinander.
    Asozial bedeutet: Nicht gesellschaftsfähig zu sein. Als asozial gilt, wenn der oben genannte Verständigungsprozess nicht beschritten, soziales Verhalten nicht gelernt wurde. Als unsozial gilt, wenn soziales Verhalten zwar gelernt wurde, aber vereinbarte Regeln nicht eingehalten werden. Das gebräuchliche Schimpfwort „Asi“ leitet sich vom Begriff asozial her. Es wird häufig irreführend benutzt, d.h. in Bezug auf sozio-ökonomische und andere gesellschaftliche Parameter, um Menschen zu erniedrigen und zu diffamieren. 

  • Soziale Ausgrenzung (Segregation)

    ist das Gegenteil von sozialer Integration. Sie folgt in der Regel auf Rechtsungleichheit und Diskriminierung. Sie zieht oft Armut, Feindschaft zwischen Gruppen und den Ausschluss von lebenswichtigen Einrichtungen in unserer Gesellschaft nach sich. Etwa den Ausschluss aus dem Erziehungs-, Gesundheits- oder Sozialwesen. Ein solcher Ausschluss erfolgt nicht immer auf der Grundlage von Gesetzen, er kann auch von Einstellungen und Verhaltensweisen herrühren. Ein Beispiel für eine ausgrenzende Kleidungsvorschrift ist zum Beispiel das Verbot des Kopftuchtragens einer Muslima, die in einem Krankenhaus arbeiten will.

  • Stereotypen / Vorurteile

    Stereotypen stehen für ein gleichbleibendes oder oft vorkommendes Muster. Menschen werden häufig in Gruppen eingeteilt. Oft geht diese Gruppeneinteilung mit der Zuschreibung bestimmter Eigenschaften einher. Die jeweiligen Gruppen werden mit bestimmten Bildern verbunden. Sind diese gesellschaftlichen Bilder so übertrieben und verallgemeinert, dass sie kaum noch etwas mit der individuellen Wirklichkeit zu tun haben, sprechen wir von Stereotypen.
    Wird ein Mensch oder eine Gruppe anhand von Stereotypen beurteilt und nicht mehr nach ihrer oder seiner Person, dann handelt es sich um ein Vorurteil. Man hat eine Meinung über jemanden oder über eine Gruppe, ohne diese konkret zu kennen. Solche Vorstellungen stimmen meist nicht mit der Wirklichkeit überein und wirken sich oft negativ aus. Es gibt aber auch positive Stereotypen. Wenn beispielsweise von schwarzen Menschen behauptet wird, dass sie schnell laufen können. Aber können wirklich alle schwarzen Menschen schnell laufen? Rassistisch wirken solche Stereotypen, wenn z.B. behauptet wird, dass Schwarze „Rhythmus im Blut“ haben. Deswegen seien sie als Musiker/-innen sehr gut geeignet, aber beispielsweise nicht als Politiker/-in oder Firmenchef/-in. 

  • Toleranz

    von lat. tolerare: dulden
    bedeutet heute vor allem Anerkennung, Wertschätzung und Respekt vor der Vielfalt der Kulturen, ihren Ausdrucksformen und unserer Würde als Menschen. Toleranz wird gefördert durch Wissen, Offenheit, Kommunikation sowie Gewissens-, Gedanken- und Glaubensfreiheit. Sie bedeutet, andere sie selbst sein zu lassen. Ohne dass ihr Anderssein dir aufgezwungen wird. Toleranz bedeutet nicht Nachgeben oder Aufgeben, sondern eine aktive Grundhaltung, die durch das Akzeptieren der weltweit geltenden Menschenrechte und der Freiheit des Anderen erworben wird. Die Ausübung von Toleranz bedeutet nicht die Hinnahme sozialer Ungerechtigkeit oder die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugung. Ursprünglich wurde Toleranz nicht nur positiv verstanden. Die traditionelle Bedeutung des Wortes (Toleranz = Duldung) beinhaltet weder Respekt noch Anerkennung.

  • Xenophobie

    aus dem Griechischen
    wörtlich bedeutet Xenophobie die „krankhafte Angst vor Fremden“. Der Begriff wird verwendet, um eine ablehnende Haltung gegenüber Menschen zu beschreiben, die aus anderen Ländern kommen oder anderen ethnischen Gruppen angehören als der eigenen. Dabei werden z.B. andere Traditionen, Kulturen oder Religionen als furchteinflößend empfunden und als bedrohlich bewertet.